Wadeln radeln


Wie lang ist´s her, als die Dame von der Post noch mit dem Fahrrad kam, immer pünktlich und ohne Werbung? Noch gar nicht lang! Einst, und so spreche ich aus meiner Erfahrung mit Postangestellten, kam die Post hoch zu Drahtesel, lang hin und immer pünktlich,- es sei denn ein Ungewitter zog dem Zweirad die Räder weg. Aber das kam selten vor. Die Dame oder der Herr von der Post hatte all die Briefe und Postsendungen auf dem Rade, weshalb beim Abparken des Rades immer größte Sorgfalt an den Tag gelegt werden musste. Schnell kippte so ein Postrad um und die Postsendungen lagen auf der Straße. Alles kein Problem! Unlängst zeigte mir eine Postangestellte ihre Wade hin, stramme Wadeln auf Postpfad... Der Köter! Wie? Na, 23 Jahre lang musste ich mir die kritischen Köter gefallen lassen. Wieso? Na sehen sie doch die Abdrücke von den Zähnen des Köters. Wie oft ich mich meiner Haut erwehren musste! Und Rücksicht nehmen die unbequemen Zeitgeister nie. Wie wohl, als ich mir klar wurde, dass der armen Postmitarbeiterin der Hund vom Nachbar zum Verhängnis wurde. Wadenbiss! Ach du dicker Hund! Ich für mein Teil ziehe Frieden vor, mit Vierbeinern aller Art. Aber so einfach ist dies nicht. Die liebe Postfrau kommt heute mit dem VW-Bus, keine Gefahr für die Wade. Als Radfahrerin aber musste und muss sie gefasst sein auf Unwägbarkeiten auf vier Beinen. Und so kann auch ich ein Lied auf die Begegnungen der besonderen Art singen, neulich erst wieder, als ich in der Nähe von Riesa von einem Trio Schäferhunde in Augenschein genommen wurde. Was macht man in so einer Situation? Mein Rat: Ruhe bewahren. So denken, als seien die Hunde gar also mit drei Mücken zu vergleichen. Sie sind vielleicht lästig, und neugierig auf meine Waden. Man muss sie ja nicht hinhalten! Vor allem Ruhe und Gelassenheit vorschützen. Ich muss bemerken, dass drei Hunde dieser Art ein Rudel ergeben, welches eigene Gesetzmäßigkeiten kennt und gleich mal auf´s Ganze geht und so ziemliche Bedenken beim Radler erzeugen können. Radwege sind freilich auch Wanderrouten für Hunde aller Rassen und Klassen, hoffentlich mit Herrchen oder Frauchen! Oft aber kommen die Vierbeiner einfach so daher und verlangen Aufmerksamkeit. Wobei Angst immer fehl am Platze ist. Ich kann für mich behaupten, dass Hunde absolut nicht grundlos einen Radfahrer anfallen, es sei denn, der Radler begeht schwerwiegende Fehler. Angst ist so ein Fehler. Nun steht mir der Geist der Freidenker nahe und auch ich liebe diese Köter über alles. Sie sind immer so direkt... Schmerz beiseite. Hunde sind wunderbar und eine Begegnung mit ihnen ist immer etwas sehr Schönes, - meist. Problemchen wie die Zahnabdrücke meiner Postfrau fußen auf Unzucht der Halter, auf Unverhältnismäßigkeiten im Zusammenleben mit den Vierbeinern. Der Hund ist Spiegel und Abbild des Herrchens oder Frauchen, wenn etwas nicht stimmt, dann gehen die Zähne los. Meiner Meinung nach ist kein Hund einfach so dazu bereit, einem etwas Böses zu tun. Die Hunde leben ihre Instinkte aus und diese geben ihnen Warnsignale auf unechte und unnatürliche Begebenheiten. Wenn mich also ein Hund anfällt, fällt mich nicht etwa der Hund an, sondern das Herrchen oder Frauchen. Es ist immer so! Und auch meine Erfahrungen lehren mich dies, wonach das Spiegelbild immer der Hund ist. So ein Vierbeiner kann gar nicht anders, als diese Ungereimtheiten offen zu Tage zu bringen. Also: Feindschaft und offen zur Schau gestellte Angst machen den Köter kritisch. Nemmt dann lieber eure Waden in die Hand...Uwe Reinwardt

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