Unser Land

Auf meiner Suche nach alten Wanderwegen in der Region, die ich nach ebenso alten Karten zu begehen oder befahren wünsche, komme ich an weitläufigen monotonen Landschaften vorbei. Landwirtschaften. Übers Frühjahr mag der Raps ganz hübsch blühen, trotzdem aber stellt sich dieses Gefühl der Ödnis bei mir ein: Landwirtschaft und Viehhaltung verwüsten unsere einst tolle Kulturlandschaft. Aus einer intakten Kulturlandschaft ist eine Euro-Agrar-Wüste geworden. Gerade jetzt im Herbst, nachdem Felder und Fluren abgeerntet sind, bietet sich ein trauriges Bild. Die sanft geschwungenen Hügel liegen brach, Wasserrinnen und tiefe Furchen schwerer Erntefahrzeuge lassen den direkten Vergleich mit einer Wüstenlandschaft aufkommen, die Böden sehen erbärmlich aus. Auch wird man hier nicht einen einzigen Regenwurm mehr finden, zumindest habe ich auf den Feldern der Region diese nicht gefunden.

Würde ich mich nicht etwa mit der biologischen Bodenhaltung beschäftigen, stünd ich ebenso ratlos neben den Feldern, wie viele andere Wanderer oder Radfahrer. Alte Wege und Schleichverbindungen sind umgepflügt worden, verschwanden mit der Zeit. Obwohl eindeutig diese Wege auch in alten Verzeichnissen und Karten zu finden sind. Beispielsweise ergibt sich das alte Rosental, wie der Beerwaldbachgrund genannt wird, aus einer uralten Überlieferung, wonach die Bodennutzung am Fleck Eingang in die Oberflächenkarten fand. Freilich hatte man damals die riesigen Urwälder gefällt, um sich dem Bergbau zu widmen oder der Rosenzucht. Und natürlich der Landwirtschaft. Aber einen großen Unterschied zur damaligen Nutzung macht die heutige großtechnische Bodenbewirtschaftung aus, sie untergräbt einstige Kulturlandschaften vollends und lässt die Bodenqualitäten immer mehr verarmen.

Oft sehe ich am selben Fleck Mais stehen, jahrelang die selbe Frucht! Ein guter Boden macht das vielleicht dreimal mit, danach aber ist Sense! Zur Ehrenrettung der Bauernschaft mag ich hier erwähnen, dass sich da einiges getan hat, was die Erhaltung der Bodenqualität betrifft. Momentan aber tut sich immer mehr Agrarwüste auf und dies direkt vor unseren Augen! Mit den fatalen Folgen, die wir alle kennen: das Grundwasser wird immer mehr mit Nitraten und Pestiziden belastet, dass es immer schwieriger wird, Trinkwasser zu gewinnen. Immer mehr Humus wird schon bei leichten Regenfällen in die Flüsse verbracht, was die Flussbetten verschlammen und ebenfalls die Wasserqualität verschlechtern läßt. Die Böden verarmen völlig ohne dabei den Anschein dessen zu machen. Durch anorganische mineralische Düngung wachsen freilich große aufgeblasene Pflanzen, wie der Mais so schön zeigt. Im Grunde aber sind diese Nutzpflanzen alles andere als nahrhaft, sie lassen Spurenelemente und Mikronährstoffe vermissen. Der extreme Rückgang von Kobalt zum Beispiel läßt uns immer weiter an einen Mangel des Enzyms Cobalamin (B12) leiden, mit fatalen Folgen. Wir werden immer schwächer, bis letztlich Krankheit uns hinwirft.

Dies nur ein Beispiel. Monokulturen und extrem naturferne Massentierhaltung vernichten unsere Existenz auf Dauer, und nicht nur diese. Auf besonders niederträchtiger Art und Weise macht man uns abhängig vom Industriefraß und Plastikanhängsel, nimmt unsere Bindung zur Scholle und Heimat und führt den einst geachteten Bauernstand ad absurdum. Landschaften werden Wüstenwirtschaften und Menschen grundlose Konsumenten. Aber es regt sich immer mehr Widerstand, der sich bald schon Bahn brechen wird. Gerade Bauern fangen jetzt an umzudenken, und dies weiß ich aus meinen Begegnungen mit Bauern hier vor Ort. Der Bio-Landbau ist sicher eine gute Sache, aber nur ein Anfang. Wir müssen alle umdenken und uns anders verhalten, damit es uns allen, Mensch wie Pflanze und Tier, zum Vorteil gereicht.
Uwe Reinwardt

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