Tagebuch

Umweltfrevel ohne Folgen
Am Jahnatalweg verschwanden ganz still und nicht leise Baumriesen und keiner will's gewesen sein. Ist die Holzmafia wieder da?
Wenn Bäume fallen, mag dies Krach machen in aller Stille. Still ist es danach und helle auch, wenn, so geschehen, am Jahnatalweg einfach so mal einige riesige Bäume verschwinden, dessen Andacht halber von den Anwohnern kaum einer auf die Idee kam, einmal nachzusehen, ob den die Baumfällaktion an der Jahna mit rechten Dingen zugegangen, alles in Ordnung wäre...

 
Nein, in Ordnung ist nun nichts mehr am Weg, schon gar nicht die rechte Ordnung. Nur ein besorgter Anwohner hatte den Schneid, sich bei der Behörde zu melden, um nachzufragen, was es denn mit der Baumfällaktion auf sich hat. Keiner weiß was, keiner hat Ahnung darüber und die Behörden dürften im Märchenwald die rechte Wange hinhalten: Es gilt die Unschuldsvermutung...
 
Jetzt aber wäre eine Straftat anzuzeigen, also illegaler Holzeinschlag und dies im Naturschutzgebiet! Was aber um so verwunderlicher ist, dass kaum jemand Empörung rauskehrt, schon gar nicht öffentlich. Klar, frisches Holz, dieses weckt Begehrlichkeiten. Wer aber hat soviel Kaltblütigkeit in den Adern, am hellerlichten Tage mit der Kettensäge Baumriesen umzulegen? Die Täter hatten „Glück“, sie entkamen offenbar unerkannt mit 100 Tonnen Holz, mindestens...
 
Nun, wo jetzt das Holz fort ist und keiner weiß, wo es sein könnte, kommt mir die Frage, wie der ätzende Krach einer Kettensäge nicht auffallen konnte, dass Personen, die dort umgehen, bei aller Umsicht den Frevel als solchen hätten erkennen müssen und nur ein Anwohner dazu in der Lage war, den Frevel zur Anzeige zu bringen. Wohnen dort etwa nur Schwerhörige oder Kettensägenfreunde, denen der Krach nicht spanisch vorkommt? Also... wenn ich Kettensägen höre, steigt mir das Blut in den Kopf und Argwohn, ob denn alles rechtens ist.
 
Dabei scheinen also das Wegsehen und Hören wichtige Tat erleichternde Umstände gewesen zu sein, wo man doch froh sein konnte, dass die eigenen Bäumleins stehen geblieben sind. Zum Glück. Wenn also keinerlei Aufsehen mit einer (es waren mindestens zwei Sägen im Einsatz...) Kettensäge zu erzielen ist, wie es denn mit einem Aufschrei darüber? Wenig lustig der Text in der „Sächsischen Zeitung“ vom 4. April 2017: Am Jahnatal-Radwanderweg wurden Bäume gefällt. Genehmigt war das nicht.“ Die Tat war nicht genehmigt und: Empörung darüber, dass man auf einer Länge von 100 Metern Altholzbestand köpfte – Fehlanzeige! Ein Verwaltungsakt also, eine Vergewaltigung auf Hundert Meter Abstand...
 
Im Grunde mag man darüber keine Kommentare absetzen, wenn sich Holzdiebe an geschützter Landschaft zu schaffen machen. Gibt ja zu viele von denen, aber so eine Aktion sollte doch Folgen haben, mindestens Ermittlungen seitens der Polizei und der Staatsanwaltschaft. Sich auf die untere Naturschutzbehörde zu verlassen, die sich übrigens der Sache angenommen hat, ist wie ein Hohn auf die Mühe hin, versagter Empörung Luft zu machen. Vielleicht hat man sich längst an die Kettensägen gewöhnt... Uwe Reinwardt (am 20. Mai 2017)

 


26. Februar 2017

"Vier Gummireifen, und der Mensch verblödet"

Interview Wojciech Czaja 4. Februar 2017

Der dänische Stadtplaner und Buchautor Jan Gehl im Interview über Gummireifen, Cappuccino und Reanimation am toten Patienten


Der dänische Stadtplaner Jan Gehl hat sein neues Buch "Leben in Städten" präsentiert. Der Meister der Fußgängerzonen im Interview über Gummireifen, Cappuccino und Reanimation am toten Patienten.

STANDARD: Sie reisen viel. In wie vielen Städten waren Sie bereits beruflich tätig?

Gehl: Es werden wohl an die 200 Städte sein. Böse Menschen unterstellen mir, ich würde jeden Stop-over mitzählen. Das tue ich nicht. Ich bin 80. Da kommt schon was zusammen im Leben.

STANDARD: Und? Haben Sie eine Lieblingsstadt?

Gehl: Definitiv meine Heimatstadt. Kopenhagen hat schon sehr früh damit begonnen, selbstkritisch zu sein und die Entwicklung des 20. Jahrhunderts zu hinterfragen. Seit den Sechzigerjahren schon legt die Stadt Wert darauf, ihren Einwohnern eine hohe Lebensqualität zu bieten – und zwar nicht nur durch nachträgliche Korrekturen, wie dies andernorts passiert, sondern als Prophylaxe. Beispielsweise werden jedes Jahr drei Prozent der Parkplätze eliminiert, ohne dies öffentlich an die große Glocke zu hängen. Schon die amerikanische Stadtplanerin Jane Jacobs hat gesagt: "Wenn wir die Planung den Autos überlassen, dann ist dies das Ende der öffentlichen Stadt."

STANDARD: Was passiert mit dem gewonnenen Platz?

Gehl: Vieles! Von 1960 bis 1980 stand das Gehen im Vordergrund. Es ging in erster Linie um das Erreichen der Shops und um die Nutzung der Stadt als Einkaufszentrum. Die nächsten 20 Jahre wurde vor allem gesessen und den ganzen Tag lang Cappuccino getrunken. Es ist unglaublich, wie viel Cappuccino ein einzelner Mensch trinken kann! Heute sind wir in der dritten Phase. Seit 2000 wird die Stadt mehr und mehr als Aktivitätszone genutzt. Es ist wie beim menschlichen Organismus. Wenn man früh genug dafür sorgt, dass der Herzschlag passt und die Blutgefäße gut durchströmt werden, dann bleibt das Herz gesund. Kopenhagen zählt heute zu den lebenswertesten Städten der Welt.

STANDARD: Das war jetzt der Heimatbonus.

Gehl: Auf Platz zwei würde ich Melbourne sehen. Melbourne hat vor 15 Jahren damit begonnen, sich neu zu erfinden und einen kompletten Turnaround zu machen. Es wurden Autos verbannt, es wurden acht Meter breite Gehsteige angelegt, Gastgärten errichtet, Bäume gepflanzt, neue Straßenmöbel ausgesucht, und es wurde beschlossen, die Straßen im Stadtzentrum mit Kunst- und Kulturinitiativen zu füllen. Außerdem wurden besonders behutsame, privat initiierte Gebäudesanierungen steuerbefreit. Das Resultat all dieser Maßnahmen ist eine Art Wohnzimmer für alle. Und es ist eines der schönsten und innovativsten Wohnzimmer, die ich kenne.

STANDARD: Das klingt nach einer Luxussanierung.

Gehl: Ja. Aber dieser Luxus sollte Standard sein.

STANDARD: Was haben die Maßnahmen gebracht?

Gehl: Heute leben in der Innenstadt von Melbourne zehnmal so viele Menschen wie vor zehn Jahren. 60 Supermärkte sind nach Downtown zurückgezogen. Und es gibt mehr als 15.000 Schanigarten-Sitzplätze. Muss man noch mehr sagen?

STANDARD: Was braucht es, um so ein umfassendes Projekt durchzuziehen?

Gehl: Es braucht ein Gesicht. Es braucht einen starken Charakter, der mit aller Kraft dahintersteht und so ein Projekt verteidigt und auch durch schwierige Momente durchboxt. Das kann ein Bürgermeister, ein Stadtplaner, ein Investor sein. Im normalen Beamtenalltag ist so etwas nicht durchführbar.

STANDARD: Sie haben die "Partitur des öffentlichen Raums" in der Seestadt Aspern in Wien erstellt. Hatten Sie in Wien einen solchen starken Ansprechpartner?

Gehl: Nein.

STANDARD: Wie hat sich das Projekt seit damals entwickelt?

Gehl: Das weiß ich nicht. Ich war schon lange nicht mehr dort.

STANDARD: In Ihrem Vortrag haben Sie eine Studie für die Wiener Innenstadt präsentiert. Davon haben wir noch nie etwas gehört.

Gehl: Ja, das war eine Studie im Auftrag des grünen Stadtplanungsressorts 2015. Unsere Aufgabe war es, die Ringstraße zu untersuchen und die Zugänge und Zufahrten in die historische Innenstadt zu analysieren.

STANDARD: Was kam dabei heraus?

Gehl: Es könnte besser sein. Die Straßen und Fußgängerzonen innerhalb des Rings sind wunderschön, aber die Portale und Schnittstellen sind absolut unterverkauft. Fakt ist: Entlang der Ringstraße gibt es sehr wenig Abwechslung und Verweilqualität. Außerdem gibt es eine sehr schwache und nicht ausgearbeitete Interaktion zwischen Fußgänger und Baudenkmal. Es ist schade, dass die Potenziale dieses so wunderbaren Ortes nicht genutzt werden.

STANDARD: Sie werden oft eingeladen, um Fehler zu korrigieren und tote Stadtquartiere zu reanimieren. Waren Sie jemals schon zu spät beim Patienten?

Gehl: Den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht – und den zu späten auch nicht. Zwei Städte beweisen, dass man auch dann noch etwas bewirken kann, wenn alle der Meinung sind, dass der Patient längst schon tot und absolut unwiederbelebbar ist: Moskau und New York. In New York haben wir uns beteiligt, als der Times Square verkehrsberuhigt wurde. Niemand hätte das in dieser Stadt je für möglich gehalten. "Das ist doch der Big Apple", haben alle gesagt. "Unmöglich!" Doch es war möglich. Und der Times Square hat sogar Schule gemacht. Mittlerweile gibt es am Broadway einige Verkehrsberuhigungen, und es werden mehr.

STANDARD: Und in Moskau?

Gehl: Als ich das erste Mal in Moskau zu Besuch war, war ich absolut schockiert. Die Großartigkeit dieser Stadt war in Abgasen verpufft. Die Stadt war ein einziger Parkplatz. Überall standen Autos. Es war entsetzlich.

STANDARD: Und dann?

Gehl: 2013 wünschte sich Bürgermeister Sergei Semjonowitsch Sobjanin, dass Moskau wieder vermenschlicht wird. Wir haben Fußgängerzonen, Verkehrsberuhigungen und neues Stadtmobiliar wie etwa Bänke, Beete, Blumen, Bäume und Laternen vorgeschlagen. In den zwei Jahren danach wurden etliche Fußgängerzonen nach unserem Vorbild angelegt. Heute ist die Stadt voller Menschen. Es ist ein Wunder!

STANDARD: Wie bewirkt man so ein Wunder?

Gehl: Entweder durch sehr effiziente Demokratie wie am Beispiel Russland. Oder aber – und das ist das, was ich allen empfehle – durch einen Mix aus Verboten, Geboten und Anreizen. Wo auch immer Sie einem Autofahrer etwas wegnehmen, müssen Sie dem Fußgänger, Radfahrer und Öffi-Benutzer etwas zurückgeben. Mit Verboten allein wird es nicht gehen – aber ohne Verbote auch nicht.

STANDARD: Weil?

Gehl: Weil Autofahrer ziemlich resistente Gewohnheitstiere sind. Sobald man einem Menschen vier Gummireifen gibt, verblödet er. In Mexiko-Stadt verbringen die Menschen durchschnittlich 3,5 Stunden pro Tag im Auto. Was für eine wunderbare Art, die eigene Zeit zu vergeuden!

STANDARD: Wie nutzen Sie selbst den öffentlichen Raum?

Gehl: Ich habe in meinem Leben schon zu viel Cappuccino getrunken. Das Sitzen ist vorbei. Ich nutze die Stadt vor allem zum Gehen und Fortbewegen. Mein Arzt sagt immer: 10.000 Schritte pro Tag. Mindestens!

STANDARD: Und? Hilft's?

Gehl: Und wie! 10.000 steps a day keeps the doctor away. Oder haben Sie schon einmal einen fettleibigen Venezianer gesehen? Das ist Stadtplanung! 

Jan Gehl (80) ist Architekt und Stadtplaner in Kopenhagen. Er betreut Stadtentwicklungsprojekte auf der ganzen Welt, darunter etwa die Seestadt Aspern in Wien. Sein Fokus ist die Verbesserung der Lebensqualität und der urbanen Infrastruktur. Seine Bücher wurden in 75 Sprachen übersetzt. Diese Woche präsentierte er in Wien "Leben in Städten. Wie man den öffentlichen Raum untersucht" (mit Birgitte Svarre, mit einem Vorwort von Anton Falkeis, Birkhäuser-Verlag).


Jan Gehl: "Wo auch immer Sie einem Autofahrer etwas wegnehmen, müssen Sie dem Fußgänger, Radfahrer und Öffi-Benutzer etwas zurückgeben." Quelle:  "Der Standard" , 5. Februar 2017

19. Januar 2017

Nur auf Brettern...

Die weiße Pracht bedeckt alles, selbst den Jahnatalweg. Der Winterdienst bleibt lieber auf den Straßen. Radfahren geht nimmer mehr

Die Jahnatalradroute liegt tief verschneit, verwegene Schritte darauf, Spuren im Schnee und neulich auch Kufenspuren, Langlaufbemühungen, der Schnee reicht allemal. Mit dem Rad geht nun nichts mehr, außer der kleine Junge, der sich mit dem Mountain-Bike ins unruhige Geknirsch begibt und schnell die Lust verliert. An vielen Stellen wird gelaufen, also Jogger, die nun meist auch Feuchte Füße davon tragen müssen, so tief liegt die Pracht!

Einen kleinen Schönheitsfehler hat es doch: Die Anrainergemeinden bekommen es nicht auf die Reihe, zumindest ihre Teilstücke des Jahnatalweges begehbar zu halten, fahren ja nicht alle auf Brettern. Der Jahnaweg ist sicher ein wichtiger Weg für viele, aber die Gemeinden tun nur das allernötigste in ihren Bereichen, und doch steht man auf Abwegen oder auf einem Schneefeld, wo man doch nicht drüberlaufen möchte. Wer hat schon so hohe Stiefel an?

Jetzt, wo Schnee liegt, sind alle Probleme bedeckt,  die einstige Jahnatalradroute nicht mehr zu existieren scheint. Und so ist es. An den meisten Stellen, oder die längsten Abschnitte sind abgeschnitten, weil jeglicher Verkehr, außer auf Brettern, unmöglich ist. Wo im letzten Sommer die Teilstücke zwischen Zschaitz und Ostrau praktisch zugewachsen sind, ist heute kein Bedarf mehr - weil man ohnehin nicht fahren kann.

Der kleine Junge auf seinem Bike stellt sich solche Fragen nicht, wahrscheinlich holt er einen Schlitten hervor, um sich am alten Burgberg eine kleine Rodelbahn zu bauen. Wozu noch schieben, wenn die Pracht größer ist als alle Mühsal... Uwe Reinwardt



15. Januar 2017
Radtouris kommen nicht nach Mittelsachen

"Amtliche" Zahlen belegen die Misere indirekt - Kein Kommentar!


2016 dürfte als das schwärzeste Jahr in Sachen Radtourismus für die Region Mittelsachsen in die Annalen eingehen. Gemessen an der "Sichtbarkeit" von Radtouristen, wie auch der Unterbringung derselben in der Region,  also indirekte Zahlen, Übernachtungsbelege und der direkte Vergleich von Übernachtungsanbietern folgern eine anhaltende "Besucherschwäche" auf dem Rade. Will der Sächsische Tourismusverband mit seinem Ableger "Sächsisches Burgen und Heideland" seine Zahlen als Erfolg verbuchen, wo er selber bei einer durchschnittlichen Auslastung der Beherbergungsbetriebe von 37 Prozent in die Öffentlichkeit gegangen ist, für den Durchschnittsbetrieb aber diese Zahl bereits ein Grund zur Unrentabilität sein dürfte. Welches Hotel kann sich 37% Auslastung leisten? Wenn man also rein wirtschaftlich die Gesamtsituation beleuchtet, dürfte der Großteil der Unternehmungen bereits in massiven Schwierigkeiten stecken. Hinzu kam der Mindestlohn und eben... der ausbleibende Radtourismus in Mittelsachsen.

Meine "Erhebung" ist natürlich nicht statistisch begründet, wohl aber kann ich für eine Vielzahl kleiner Übernachtungsmöglichkeiten am "Mulderadweg" sprechen.  Dort nämlich sah man kaum Radreisende, und noch weniger Gäste in den Betten. Mag sein, das vergangene Jahr (2016) war kühl und regnerisch und die großen Städte ziehen nicht nur Wirtschaftsleistung, Geld und "Humankapital" ab, Radler wollen einfach nicht in eine Region kommen, die längst als strukturschwach gilt und damit völlig uninteressant ist.

Gemessen an der ohnehin mageren Bilanz der letzten Jahre, dürfte das Fehlen von Radwegen insbesondere in den Kleinstädten und Ortschaften maßgeblich an der Misere beteiligt sein. Selbst Freiberg glänzt nicht gerade mit einer guten Radinfrastruktur, was die Sache verschlimmert. Wer also dieses Jahr sich in die Region verirrt, findet mit Sicherheit eine gute Unterbringung und sollte sich gut versorgt finden..

 

3. Januar 2017
Ein Riese ist gefallen...



Wer hätte das für möglich gehalten? Und doch ist's passiert und die Verwunderung darüber groß. Im Windpark Sitten (bei Leisnig, ehemaliger Landkreis Döbeln) fiel ein Riese, ein Windrad... auf die Wiese! Zum Glück! Wind war keiner, oder zumindest soviel, damit aus Wind Geld ähm, sorry Strom gemacht werden kann. Anwohner berichteten in der Zeitung: Das hat gekracht, als wäre ein Flugzeug vom Himmel gefallen. Wobei kaum einer wissen dürfte, wie es klingt, wenn Flugzeuge vom Himmel stürzen. Die Alten höchst, die wissen vielleicht noch, was für Töne beim Absturz von Bombenflugzeugen abgehen. Jedenfalls lag die Mühle im Dreck und die Verwunderung selbst bei den Technikern mindestens genauso riesig wie diese Windkraftanlage mit einer Nabenhöhe von 65 Metern, über Spitze Flügel 97 Meter, ein Sachschaden von einer halben Million Euro.

 

Fragen wurden beantwortet, Glossen geschrieben. Ein Flügel wäre gebrochen und hätte das Windrad sofort außer Kontrolle gebracht und auf 7 Meter Höhe wie ein Streichholz abgeknickt. Passiert halt und scheinbar öfters mal. Aber der Sachschaden, wenn doch die Mühle längst abgeschrieben sei? Jetzt könnt ihr sie abschreiben und auf die Proteste, Mittelsachsen nicht weiter zu "versparkeln" Schulterzucken. Grüne Politik, grünes Geld, grüner Strom.
 

Irgendwie stand so ein strauchelnder Riese in der Luft, ein Holländer, eine Geldmaschine - sag ich immer. Daß dahinter ein irrsinniger Umweltfrevel, Landschaftszerstörung, Vogelmord, Geräuschbelästigung, veränderung des Mikroklimas und so weiter stehen, aber auch Stromkunden, denen das Geld aus der Tasche gezogen wird, nur um diesen Wahnsinn am Laufen zu halten, ist dann gar nicht so gern gehört und wird auch hier, in der Zeitung niedergeschmiert. Wenn Schreiber Wind machen, drehen sich sogar Windräder!

 

Früher flogen öfters mal Mühlen um, Kornmühlen für die Landbevölkerung meist, Stürme hausten vielleicht viel heftiger als heute. Und wer zu Schaden kommt wird verlacht, ausgelacht. So stands geschrieben! Gefahr? Niemals. Zufälle gibt es, ja gut, Eisabwurf (selber erlebt in Meinsberg bei Waldheim!), Blitzschlag, Risiko...

Aber die Windmühlen sind doch sicher, wird ständig kontrolliert und geprüft. Außer bei der Anlage in Sitten, die nämlich hätte längst abgebaut werden müssen.

 

Mir bleibt der Hohn im Hals stecken, der aus einer Zeitung sprach, die ohnehin keiner mehr liest. Die Gegner der Windkraft sind Spinner, Irre. Und Wanderer müssen dort nicht langgehn. Verkannte Situation, weil im O-Ton geschrieben, des Schreibers Absicht vielleicht gar nicht seine ist, sondern Doktrin, politisch gepfeffert und geschmiert natürlich. Den Geldaffen ist so eine Presse lieb. Unsereiner, der die Sch...oße bezahlen muss, windets schon lange um so einen solidarischen Wahnsinn. Drum sag ich immer: Die Riesen werden fallen! Vielleicht schon bald... meint Euer Uwe Reinwardt



21. Dezember 2016

Bröselnde Radreifen - bröselnde Region


Wie der komplette Zusammenbruch des Schienenverkehrs die Probleme des Armenhauses Sachsens deutlichen machen.
Ein Abgesang...


Vor sich hinrostende Bahnschienen sind geeignet, Wehmut zu erzeugen, zumindest bei denen, die sich mit der Bahn besonders verbunden fühlen. Neue Entwicklungen tun sich nun auf, was Sachsens' Herz angeht, insbesondere die Schienenstränge und dem Verkehr darauf: So vielen vergangene Woche (Anfang Dezember 201) gehäuft Züge auf der Strecke Riesa-Chemnitz aus, Tage darauf wurde der gesamte Verkehr auf der Strecke "abgestellt", was zur Folge hatte, das hunderte Reisende, vor allem Schüler, nicht befördert wurden und stecken blieben. Grund war und bleibt der Ausfall von 20 Schienenfahrzeugen durch Schäden an den Radreifen, welche ein großes Sicherheitsproblem darstellen. Nunmehr läuft ein "Notverkehr" auf der Strecke zwischen Chemnitz und Riesa, doch immer wieder fallen selbst Verbindungen aus, die als Ersatzfahrten galten, die Empörung darüber und über die schlechte Nachrichtenpolitik der Betreiber ist groß.

Döbelns Oberbürgermeister zeigte sich ebenfalls empört darüber, wie eine ganze Region buchstäblich vom Bahnverkehr abgehangen würde, ohne auch nur eine berechtigte Begründung für den Ausfall einer ganzen Zugflotte vorzufinden. Und überhaupt sei es eine Katastrophe, wie die Verbände und die Landespolitik den Schienenverkehr rund um Döbeln, Roßwein und Nossen derart vernachlässigen würden.

Egerers Argument, dass die Autobahnen doch schon so verstopft wären, und man müsse doch die Leute auf die Bahn bringen, selbst zwischen Meißen und Döbeln, findet in der Lokalpolitik plötzlich Stimmchen, die mitklingen in der gestellten Empörung. Doch hatten diese "Aktivisten" vor zwei Jahren, als die Schließung der Strecke Meißen-Döbeln spruchreif wurde, nur verbal interveniert, ohne die Tragweite ihrer eigenen Politik zu überschauen.

Freilich ist Egerer Radfahrer und man mögen ihn schonen dabei. Aber er als Stadtoberhaupt hat viel zu wenig getan, um die Interessen des Umlandes zu berücksichtigen, wo es doch galt, den Ausverkauf einer ganzen Region zu verhindern.Nunmehr Klagen allerorten, wie man die Strukturschwäche Nordmittelsachens aufhalten könnte - insgeheim, denn sprechen kann man darüber nur unter vorgehaltener Hand: Die Abwärtsentwicklung der Region rund um Döbeln, Roßwein, Nossen findet mindestens seit 2009 statt, wie sich leicht aus ungeschönter Perspektive ablesen läßt. In keiner anderen sächsischen Region ist das Armutsrisiko und die Arbeitslosigkeit höher als hier. Zwar sei bei letzterer "Kenngröße" kräftig ins Fäustchen geschummelt worden, als das Amt schon seit 2010 immer wieder falsche Zahlen als Arbeitslosenstatistik verkaufte. Aufmerksame Menschen können sich vom Gegenteil überzeugen, wenn sie durch die Städte und Dörfer gehen, zu Fuß und dort die angeblich "Beschäftigen"sehen, nämlich zuhause!

Dieses Verleugnen von schmerzhaften Realitäten hat die Region noch tiefer sinken lassen, wo hingegen alle wußten, dass man gegen die Leuchtturmpolitik der Landesregierung vorgehen muss. Die nämlich weiß offenbar nicht, dass in vielen Orten die Arbeitslosigkeit weit über 40 Prozent liegt, was aber immer schön beiseite gelogen wird. Im Armenhaus Sachsens fährt man natürlich auch nicht mehr Bahn. Wozu auch? Zur Arbeit brauch man nicht zu fahren, es gibt hier keine. Und zum Verreisen langt das Geld nicht.

So, ihr lieben Lokalpolitiker, dachte ich grad, wie ich doch einst vorschlug, die alte Strecke der Bahn zwischen Nossen und Döbeln in einen Radweg zu verwandeln. Ich bleibe dabei! Denn was bitteschön soll hier noch passieren, wenn man so weiter macht? Schwarze Politik hat bislang den Leuchttürmen genützt, den "Metropolen". Aber die Provinz leidet unter einem beispiellosen Niedergang. Da werden Lokalpolitiker a la Homan, Liebhauser und Egerer auch in Zukunft nichts ausrichten können... meint Euer Uwe Reinwardt

 

19. Dezember 2016

Gefahr bei Leib und Leben:

Es herrscht Treibjagd auf allen Fluren, drum Obacht wenn's knallt!


Fernab krachen Schüsse, Büchsenkrach. Diesmal keine Böller, die klingen anders. Richtige Büchsen, dass es schaudern macht. Kurz darauf ein Schild: Vorsicht Jagd! Betreten verboten! Jetzt da reingehen? Wäre Selbstmord, denke ich, und schon kommt ein Filzhut über einer Warnweste, grellgelb, mir entgegen: "Schön draußenbleiben, hier wird's gefährlich!" sagt's und sprach weiter: "letzte Woche hat einer Pech gehabt, weil er durch die Absperrung gekrochen kam, ins Schußfeld hinein". Mein lieber Schwan, mir wird's schwühl, obwohl kaum über Null Grad an der Luft.

 

Wieder knallts, ganz nah, steh versteinert am Absperrband... Man, was das wohl sein soll! Jäger, Förster, Filzhüte, Knall und Fall. Die Wald-SS ist unterwegs, nette Typen, einer: "Grüß Gott"! Friss Gott! dachte ich, mied aber den Gruß. Weiß ja, was von den Typen zu halten ist. Sächsisches Jagdgesetz steht über den Dingen, weil ich doch neulich den Sinn der Jagd offen bezweifelte, Hege, Schutz vor Verbiss, Schlagschäden! Man, was für Wörter! Also, die Wald-SS ist wieder mal unterwegs und alle anderen leben gefährlich, sollte man froh sein, ein Schuss zu hören.

 

Denn wenn nicht, läge ein Treffer vor, ein Volltreffer...
Las ich im Internet: Junge Radfahrerin vom Rad geschossen... Liebespaar angeschossen... Kind schwer durch Schuss verletzt...Hund tödlich durch Jäger getroffen...Jogger im Dunkeln angeschossen...und so weiter. Sind alles keine schlimmen Sachen, Jäger dürfen das! Dass der Schlüpfer von Eva Braun für über treißigtausend Dollar einen neuen Besitzer fand, stand weiter oben - Blattschuss auch!

Wir sind hier die Herren im Walde und wir dürfen das. Die Läufer? müssen hier nicht lang! Radler sowieso nicht!
Hab mich natürlich über die Bilanz der "Jagd" kundig gemacht, die Treiber, alles Subunternehmer, welche für den Staatsforst arbeiten und sich selbst sonntags in den Wald stellen müssen, um dieses Treiben zu ermöglichen, dem Schießmob die Schwarten von die Läufe zu schieben.

Nein! Kein Respekt mehr vor Uniformen, Schulterstücken. Wozu noch grüßen? Diese Wald-Wehrmacht nimmt sich alles raus, macht killekille, bislang meist auf horizontale Ziele. Noch... Wenn aber einer kommt und den Gruß verweigert, gnad dir Gott! Damals war es ja auch so, erst Schweine, Rehe, Hasen. Dann Juden, Kommunisten, Slawen... Die dürfen alles, dachte ich, spuckte aus, als so ein Filzgesicht zum Gruß anhob. Gern verzichte ich darauf und warne lieber Wanderer, Läufer, Radler. Denn die haben keine Schulterstücken... Uwe Reinwardt


6. November 2016

Stinker von der Straße!

CETA und TTIP ermöglichen auch in Deutschland das Privatrecht, wonach Großkonzerne, die ihre Kunden betrügen, verklagt werden können
 



Wie kaum ein anderer sollte der Radler heute sagen können, ob die Luft am Straßenrand etwas taugt oder nicht. Da wären die "Stinker", erinnert Euch: Stinker sind die Autos, die besonders beworben werden - DAS AUTO - Volkswagen - Autos, die Amis ungern kaufen, weil sie nichts taugen und eben Stinker sind...

Eigentlich wär nichts weiter zu schreiben, doch da steht die Debatte um CETA und TTIP im Raum, welche heiß diskutiert wird, obwohl keiner die Texte gelesen hat, worum es eigentlich geht. Wenn nun VW den Amerikanern 14 Milliarden Dollar Zahlen muß, weil der Konzern seine Kunden verarscht hat, so ist dies doch absolut in Ordnung, allerdings mittels Sammelklagen erst möglich geworden. Und genau diese werden erst mit einem Freihandelsabkommen möglich, nämlich Privatrecht vor Zivilrecht. Davor fürchten sich viele deutsche Unternehmen, weil eben bei einer "Verarschung" wie z.B. Dieselgate unmittelbar Rechtsmittel und Schadensersatzforderungen möglich werden. Hier in Deutschland darf keiner auch nur auf den Gedanken kommen, einen Hausgerätekonzern zu verklagen, sollte das Produkt Schaden bei Leib und Leben erzeugen. Dann nämlich ist es in Deutschland überhaupt nicht möglich, zum Beispiel eine Sammelklage zu erheben.

Wer also mit dem Rad fährt und tagtäglich den Gestank von deutschen Autos einatmen muss, also von Uraltechnologien, die geschönt und für teuer Geld verkauft werden, kann VW, Opel oder BMW gar nicht verklagen. Das leidige Zivilrecht, also die Unschuldsvermutung außerhalb des Gerichts, macht den Verbraucher was er ist: Ein Niemand.

Wenn also Freihandelsabkommen verhandelt werden, gilt auf breiter Front das Privatrecht, wo ein einzelner "Verbraucher" vor Gericht genau so viel Gewicht hat wie ein Großkonzern. Dies aber wird politisch links wie rechts auf breiter Front in Deutschland niedergebrüllt, wohl aber, wie gesagt, keiner die Texte der Vereinbarungen gelesen hat.

Nach CETA und TTIP wäre es nämlich möglich, den unsäglichen VW-Konzern zur Rede und vor Gericht zu stellen, hier in Deutschland. Wenn er seine Kunden betrügt, und dies in großem Stile, würde der Autobauer bald um seine Existenz fürchten müssen, sollte das "Kundenrecht" eingeführt werden. Dann nämlich wäre der Konzern direkt zur Verantwortung zu ziehen, wenn er unsere Luft verpestet.

Noch streben die Protagonisten ganz im Sinne der deutschen Monopole, selbst auch die Verbraucher, was an sich ziemlich... blöd ist! Aber der hausgemachte Gehorsam geht vor Recht hier, im Vierten Reich...
Uwe Reinwardt


1. Oktober 2016

Rennsäue auf allen Pisten...

Es gibt in Deutschland keine Statistik, welche "Opferzahlen" wahrheitsgemäß abbildet...
Perepedaliker sind harte Burschen und Weiber - sagt man. Weil es von denen nur ganz wenige gibt, der Rest derweil überfahren wurde, trauert man heute nicht um jene weiche Verkehrsteilnehmer, die das Zeug dazu hatten, die Welt zu verändern. Man spöttelt einstweilen und der Automob ist ganz froh darüber, dass die letzten Pedaliker unter der Erde liegen.

Ja, was will der Schreiber jetzt schon wieder rauskehren? Genau! Die Gewalttätigkeit des "Mobilmobs", welcher allgegenwärtig friedliche Verkehrsteilnehmer unter die Erde bringt. Wer kennt schon Zahlen. Allein letztes Jahr kamen über 286 Radler auf Deutschland Rennpisten ums Leben. Und es war mir schwer, diese Zahl auf einen Nenner zu bringen, weil Unfallstatistiken kein Thema für die allgemeine Mobilität darstellen. Radler sind keine Verkehrsteilnehmer sondern nur Hemmnisse, die es zu beseitigen gilt. So manch mobile Leut: Mit Affenzahn unterwegs, jedwedes Leben verachtend, fahren diese Rennsäue um alles in der Welt, weil sie in Deutschland Urstände feiern. Im Bürgerpanzer und wenn einer denkt, Deutschlands Pisten seien friedlich und frei, täuscht einer auf dem Pedal Frieden vor und lebt Gewalt auf vier Rädern.
Wer nun auf zwei Rädern unterwegs ist, hat in Deutschland schlechte Karten und eine geringe Lebenserwartung. Es sei denn, der Zweirädler betue sich im Überlebenstraining, schärfe die Sinne, um der Rennsau zuvor zu kommen: Nämlich mit Sprung vom Bock in den Straßengraben - wie mir neulich gleich zweimal in einer Woche passierte.
Mit dem Rad zu fahren, ist in Deutschland mehr als lebensgefährlich. Selbst mit Helm und Flickenweste ist dem Raser auf vier Rädern kaum beizukommen. Zudem sollte man bedenken, dass Radler Zielscheiben darstellen auf Deutschlands Straßen, sie sind Hassobjekte und ...zuweilen minderwertig...
Jetz hör mal auf! höre ich, wo doch der letzte Radurlaub mehr als glücklich ausgegangen ist, obwohl dieser Erlebnisse hatte, die beinahe allen das Leben gekostet hätte. Ja klar! Niemand will's wahrhaben und loben die Statistik. Sind ja nur... wieviele???
Keiner will es wahrhaben, selbst die Radler nicht, dass bei Lichte betrachtet so viele Menschen in Deutschland sterben müssen, ohne dass einer von den Automobilisten nur ein geringes Einsehen hätte. Weil ja Radler so sch... sind und überhaupt. Wer die Zahl nicht wahrhaben möchte, sollte sich den einzelnen Untersuchungen auf Länderebene gewahr werden und dann diese "Länderzahlen" zusammenrechnen. Unfälle mit dem Fahrrad werden nämlich gar nicht in der Verkehrsstatistik verrechnet und tauchen allenfalls als Unfälle im Heimbereich auf. Die Dienstleister allerdings mögen hier ungewollt ein klares Bild abzeichnen, wer als Hausrat durchgeht, oder als Perepedaliker...
Uwe Reinwardt


7. September 2016
Heimatgeschichte im Fundus des Sächsischen Heimatschutzes 
Herrensitze und Schlösser fristen heute nicht unbedingt Zeitfraß, viele von ihnen verschwanden auf Spuren hin, wurden geschliffen. Wer zwischen Zschaitz und Riesa unterwegs ist, wird einige Herrenhäuser wiederbelebt vorfinden; freilich nicht von Herren, sondern der heutigen Zeit angepaßt, als Kindergarten, Sanatorien oder Hotelbetriebe. Einige Häuser sind wieder privat. Der Sächsiche Heimatschutz nahm sich vor Jahrzehnten die Häuser vor und veröffentlichte in seinen Heimatheften interessante Details... hier

Burg Gana:
Viele Fragezeichen sind übrig und Staunen darüber, wie sich die moderne Geschichtsforschung auf alte, sehr zweifelhafte Texte verläßt und diese neu hofiert. In einem Versuch tut sich der Sächsische Heimatschutz schwer mit der Geschichte. Und: Gana hat es wohl nie gegeben... hier


Zwischen Baumriesen und Knubben

Es sollte nix werden und von wegen Einheitsbreite und Asphalt. Ein neuer Radweg wird nie gebaut. Und: Es ist gut so!
Der Jahnatalweg ist eine unebene Angelegenheit; er hat sich seine Bahn wie von selber geschaffen. Auch die Wurzeln der Baumriesen, meist Pappeln, aber auch Buchen, Eichen, Kastanien, Erlen, Weiden und andere, gehören zum Jahnatalweg. Wenn es so wäre und man täte Asphalt anrühren, um den Weg auf "Normbreite" zu bringen, wäre es vorbei mit jener Originalität, die so viele Zeitgenossen auf der unebenen Piste schätzen.

Klar, man muss höllig aufpassen, um als Läufer keinen Sturz zu fabrizieren, genauso der Radler auf die Meter vor dem Vorderrad schauen sollte, um einen Halsbruch zu vermeiden. Die "Knubben" (Baumwurzeln) gehören dazu, wie auch manche Fahrkünste auf dem Rade, um einigermaßen wohlbehalten anzukommen.

Man muss sie umfahren, also nicht umfahren... die Baumriesen, Slalom derweilen, in Gedanken versunken, warum die ganze Welt unter Asphalt liegen muss.

Also "knubberts" wieder, der Radler wird grundhaft durchgeschüttel, Gedanken lösen sich. Zumindest geht es mir so, wenn ich mal wieder in Richtung Riesa fahre. Jetzt lauert der Fortschritt, Infrastruktur, man saß gemeinsam zu Tische, um den Jahnatalweg eine neue "Note" zu geben, touristisch aufzuwerten. Nie und nimmer! denk ich, wo doch kaum so ein "Projekt" hier in Sachsen wirklich umgesetzt wurde und wird. Siehe "Radweg" Roßwein-Hainichen. Da passiert nämlich auch nix - warum auch? Straßen gibt es doch genügend, wozu noch ein Radweg? Genau! Wozu noch ein Weg? Ein Radweg?

Ich glaube also nicht, dass es jemals zugeht wie an der Elbe. Wir sind ja auch an der Jahna... Alles kleiner, alles feiner. Wenn also Kommunalpolitiker zu Potte kämen, würden sie erkennen müssen, wie wertvoll die alten Wege sind, gerade der Jahnatalweg, der damals, um 1900, von Freigeistern, Wandervögeln begründet wurde. Freilich war damals alles anders (Ich hab da meine Zweifel...), heute ja wohl auch. Aber gleich EU-Normbreite wollen?

Nein, es wird nichts draus, aus dem Radweg Riesa - Döbeln, weil er längst Unlänge hat, will sagen, dass man schon eines Tages in Döbeln oder Riesa ankommen sollte. Und vergessen sollte man nicht, dass in Sachsen eher Straßen gebaut werden, Umgehungsstraßen zuweilen, welche den Radverkehr "umfahren". Außerdem fährt hier keiner Rad! Außer ich... Uwe Reinwardt (16. August 2016)

Ein Ferienlager am Baum...

In Jahna gib es ein Baumhaus zu bestaunen (4. August 2016)
Auf die Bäume ihr Kinder, der Wald wird gefegt...
Und: Oben bleiben ist eine Zier! Zumal wirklich einer auf den Gedanken kommen muss, sich so eine Hütte an den Baum zu zimmern... Ich glaub bereits 2008 dieses nette Baumhaus in Jahna entdeckt zu haben, machte Fotos auch und staunte nicht schlecht, was für ein Luxus da am Stamm zu haben ist. Richtige Fenster, einen trockenen Eingang, keinesfalls nur Zierde...

Gebaut hat das Häuschen Volker Buberek, vor Ort wohnend und dank umfangreicher Kenntnisse der Holzverarbeitung seines Sohnes an ein paar Tagen erstellt, "wohnen" ab und zu die fünf Enkel da oben drinnen, jetzt auch an den Ferien angehübscht und als "Himmelsdomizil" das Ferienereignis für die Kinder.

Mittlerweile kommen auch Kinder aus dem Kindergarten Salbitz, besuchen das Grundstück an der Salbitzer Straße nun auch häufiger zum Spielen, Spielgerät und das Baumhaus frohlocken sehr. Bei dem Gedanken, dachte ich mir, sollten die Kinder dem TÜV die Zunge zeigen, weil ja als Privatgrundstück der Testschein nicht unbedingt gefragt wird. Sollten sich Kindergartenkinder im Baumhaus einnisten wollen, dürften somit Probleme vorhersehbar sein...

Also, wer wieder mal auf der "Jahnatalradroute" unterwegs sein sollte, mache die Augen auf und erspähe dieses schöne Bau(m)werk. Ich fahr gern dort vorbei und schaue, ob nicht etwa Ferien sind und Kinderleins tollen. Ist es soweit, wünsche ich mir eben so ein Baumhaus... Uwe Reinwardt


Ein Gotteshaus für Radler...


Wieder mal eine kleine Vorankündigung: Was bisher nur als "Planungswillen" noch nicht durchgegangen ist, derweil kurz in der Tageszeitung verlesen wurde, soll nun ein großer Wurf für die Obstlandregion werden. Mit einem 70 Kilometer langen Radrundweg durch die Region des Obstlandes, der Landkreise Nord- und Mittelsachsen sowie Leipzig, könnten (hier ein Ausrufezeichen) Radler die wunderschönen "milden" Landschaften rund um Grimma, Leisnig und Mügeln erfahren, wenn, ja wenn Fünfhundertausend Euro in die öffentlichen Hände kämen, um Rastplätze, Schilder und Straßenmarkierungen bauen zu können. Auskünfte über das Projekt sind dürftig, das Planungsbüro "Planet" geht davon aus, dass das Projekt doch noch umgesetzt werden könnte. Bislang sind drei Teilabschnitte geplant, nämlich rund um Leipnitz auf 30 Kilometer Länge, eine andere Tour geht von Börtewitz aus über Kemmlitz, Glossen, Nebitzschen und Mügeln, hier auf einer Länge von 20 Kilometern. Die dritte Tour rund um Leisnig "zeigt" dann die landschaftlich reizvolle Gegend des Muldentals und seiner Sehenswürdigkeiten wie Burg Mildenstein und dem Kloster Buch. Gallschütz ' Kirche soll übrigens ein Rast- und Ruheplatz für Radler werden.

 Das Problem hierbei: Die Kommunen müssen einen ordentlichen Pfennig locker machen, bevor das Gesamtprojekt umgesetzt werden kann. Allein Leisnig muss 45.000 Euro auf den Tisch legen, Großweitzschen immerhin 11.000 Euro. Wann es losgeht steht in den Sternen. Die Planungsbürokratie knirscht eben noch, wo doch im Herbst erst weitere Schritte unternommen werden, um den Radweg in die Bauplanung zu bekommen. Dies kann also noch lange dauern... Uwe Reinwardt



Neue Konzepte, alter Weg... (28. Juli 2016)
Nun soll er wieder "Jahnatalweg" heißen, unsere, meine Jahnatalradroute... So gelesen in der "Döbelner Allgemeine Zeitung" vom 25. Juni 2016. Wie zu lesen war, hätten sich die Gemeindeverwaltung Ostrau mit den anderen Anrainergemeinden auf den alten Wegnamen und eine neue Beschilderung plus Logo einigen können. Der neue Wegweiser trägt nun den Schriftzug "Jahnatalweg", übrigens in aus der Weite schlecht lesbaren Lettern, und dem Logo, ein weißer Kreis mit dem Buchstabenkürzel "JTW". Dies alles auf rotbraunem Grunde. Also mal sehen, ob dies so durchgeht...

Was den Radweg angeht, der als solcher ja ohnehin nicht wirklich existiert, wenn man von den Normen ausgeht, die die EU an solche Wegstrecken stellt, halte man sich lieber an die Pfade, welche einst als "Jahnatalradroute" ausgeschildert wurden. Noch immer ist die "Jahnatalradroute" ein Naturradweg, oder besser ein Wandelpfad für zeitmüde Zeitgenossen, wie ich einer bin. Klar, der Weg wird rege genutzt: Läufer, Wanderer, Radfahrer, zeitlich versetzt in Unruhe meist, bleibt selbst ein müder Gruß übrig füreinander im Gegenstrom.

Aber...um's Gestade geht es, um diese einzigartige Landschaft, den Wirrungen zwischen Baumriesen, den Unwegbarkeiten, den Hindernissen, die Knubben...
So wäre ich doch froh, wenn alles so bliebe, wie es bis jetzt gehalten wurde, dass aus der Jahnatalradroute kein europäischer Normenradweg mit Normbreite und Asphalt wird.

Aber... einst, noch vor der Jahrtausendwende, waren da schon einmal solche Pläne, also eine Namensgebung und dann die Schilder, welche selten zu finden waren. Der Weg war bereits seit 1900 als solcher für die Burschenschaften besonders magisch, wo es zu Fuß von Riesa aus entlang der Jahna nach Seerhausen ging, zum Schloß am Anger, wo einst große deutsche Dichterfürsten festmachten. Wer weiß denn, wann aus dieser Tradition, die Wegsteine mit der Aufschrift "JTL" zwischen Riesa und Stauchitz gesetzt wurden?

Und sie tun es, diese Wegsteine, wo doch Schilder schneller übersehen werden, wo doch heute keiner mehr den Blick aufnimmt, um Besonderheiten zu gegenwärtigen.
Damals wurden ebenfalls Fördermittel aufgenommen, der Weg aber wurde nie realisiert, weil es am Willen fehlte, allen Möglichkeiten ins Auge zu sehen, selbst dem Tourismus. Einst gab es das Umweltzentrum Ökohof Auterwitz, wo die Konzepte entwickelt, Fördermittel bestellt und grobum Wege an der Jahna erstellt wurden. Übrigens mit einem für mich sehr schönen Wegweiser, der heute leider nicht mehr standhalten kann.

Die Frage ist doch, ob heute so ein dichter Heimatschatz wie dieser Jahnatalweg mit größter Sensibilität erhalten werden kann, ohne dabei seine "Grundidee", dem Wandeln außerhalb von Zeit und Raum, in Frage zu stellen. Denn was wäre wenn, sollten Ideen aufblühen und diese alte Wegstrecke als "Infrastrukturmaßnahme" zu "entwickeln"?

Es muss nicht alles einheitlich, konform sein. Schon gar nicht paneuropäisch. Denn die Gelder, welche einst flossen, galten als Werterhaltung und dienten einfachen Zwecken. Jetzt aber lauern die Geister der Norm und der Gleichmacherei. So will ich lieber auf Lehm und Erde wandeln...
Uwe Reinwardt

Franzosen übernehmen Bahnstrecke Chemnitz - Elsterwerda

Freie Fahrt nun und endlich freundliches Personal...
Lokalmedien hatten den Schienenverkehr längst abgeschrieben, hörten wohl das Totenglöcklein läuten, längst, so schrieben sie, wäre die letzte Chance verstrichen. Nun aber kommt es ganz anders. Jetzt kommen die Franzosen in die Region und mit Transdev (früher Transdev Veolia) eine alte bekannte Größe im Schienennahverkehr der alten Bundesrepublik. Wo sich die Deutsche Bahn immer weiter aus der Region zurückzog, fanden die rührigen Franzosen ihre Chance. Wer jetzt ins Grübeln kommt, wird eventuell auch eine Antwort finden: Private Firmen können es doch besser als die Deutsche Bahn, die zu 100 Prozent staatlich ist, aber nach "privaten" Gesichtspunkten wirtschaftet - was ihr offenbar nicht gelingen will...

Seit dem 12. Juni 2016 rollen nun die hellen "Silberlinge", moderne Niederflurschienenfahrzeuge der Mitteldeutschen Regionbahn zwischen Chemnitz, Riesa und Elsterwerda, wie auch zwischen Döbeln, Grimma und Leipzig. Unter den Firmennamen Transdev Ost GmbH fahren nun silberfarbene Schienenfahrzeuge auf den Strecken der Deutschen Bahn. In den Publikationen von Transdev ist von einem zehnjährigen Betrieb auf beiden Strecken auszugehen, in Pressemeldungen hingegen war von 16 Jahren die Rede.

Was ist nun anders? Nun, die Fahrzeuge sehen anders aus und es gibt in jedem Zug einen Zugbegleiter, einen Schaffner sozusagen, wo man sich eine Fahrkarte kaufen kann. Und "Charme", Freundlichkeit an Bord. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind gehalten, den Fahrgästen größte Aufmerksamkeit zu schenken und dabei auch freundlich zu sein. Bei einer "Testfahrt" zwischen Döbeln und Leisnig konnte ich dies bestätigt finden...

Übrigens ist die Mitnahme von Fahrrädern kostenlos. Sollten sich Radlergruppen für eine Mitfahrt entscheiden, solten diese sich rechtzeitig anmelden. Insgesamt ist die Übernahme beider Streckenabschnitte schon heute nicht nur eine sehr gute Nachricht für die Region, sondern auch ein Beleg dafür, dass private Firmen auf der Schiene "doch besser können"...
Uwe Reinwardt

Asphalt für den Jahnatalradweg
Für eine notdürftige Reparatur des Rad- und Wanderweges in Jahna wird nun auf einer Länge von 400 Metern der alte Belag abgetragen und durch eine Asphaltdecke ersetzt. Der nötige Unterbau, die Wegeentwässerung und die Randbefestigung wird demgemäß mittels Föderzuwendungen aus dem Hochwasserfond des Freistaates Sachsen zu 100% finanziert, die Gemeinde Ostrau beteiligt sich halber nur bei der Errichtung von Beleuchtungsanlagen an der Strecke. Vormals war die Piste immer durch Wassereinwirkung und Regen für Radler reichlich ungenießbar. Die Arbeiten begannen Anfang April und werden in wenigen Tagen, bis Mitte Mai abgeschlossen sein. Insgesamt werden etwa 112 000 Euro verbaut und den Radlern in Jahna ein Segen sein... Uwe Reinwardt

Der Bürgerpanzer rollt...

Verkehrsfolgekosten: Automobilindustrie vernichtet Millionen Arbeitsplätze - Unvorstellbare Umweltzerstörung und gigantische Kosten Jahr um Jahr
Das Auto ist der Panzer des Bürgers, es ist mindestens genau so unantastbar, als der Panzer auch ein Fortbewegungsmittel darstellt, derart allerdings nicht für Bürger, sondern für Krieger. Aber egal, die Gedanken, welche nun umgehen sollen, streifen so ganz sachte die Schattenseiten unserer Mobilität auf vier Rädern: Wo nach trotzdem Untersuchungen an der TU Dresden gemacht wurden, was uns der Spass eigentlich Jahr um Jahr kostet.

 Grad eben las ich in einer Studie über Verkehrsfolgekosten eine Zahl: Etwa 345 Milliarden Euro pro Jahr, in Deutschland! Darin eingegrenzt die Umweltschäden, so sie sich überhaupt in bare Münze ausrechnen lassen! die unmittelbaren Folgen für die Gesundheit aller Staatsbürger und Staatsbürgerinnen, den Arbeitsplatzverlust, der mit der "Mobilität" einher geht (was für Ökonomen Fahnenrot bedeutet!), die mittelbaren Kosten für jeden Besitzer eines Kleinkraftwagens (KKW), den Zeitverlust auf der Straße und Autobahn, den Verlust an wertvoller Lebenszeit, der Eintritt in die totale Verschuldung von "Arbeitnehmern"- weil letztere eigentlich nur Tagelöhner sind und als solche numerisch eine Steuernummer besitzen, die gleichzeitig Inventarnummer irgendeiner privaten Firma ist... Kurzum: Das Übel hat einen Namen und alle beten sie diesen in der Sakrale der Moderne, die Mobilität!

Unsere Nachfahren (sie werden nicht mehr fahren, jedenfalls nicht mit dem Auto...!) werden sich an den Kopf greifen angesichts solcher "Minuspunkte", die die heutige Zivilisation auf einen Haufen kommen lässt.
Und es ist nicht viel dran, weil ja auch nicht viel Sinnvolles übrig bleibt.

Bei aller Liebe: Heute müssen wir nachbeten, was eine "Elite" vorgibt zu denken und vor allem zu handeln. Auto fahren! Und das soll "geil" sein, so schnell, so irre.
Aber halt, wir sind bei den Kosten, die uns die Mobilität kostet, Jahr um Jahr, wir sind bei der Arbeitslosigkeit, die die Automobilbranche zu verurachen hat. Wir sind bei der gigantischen Luftverschmutzung, die die Stinker um VW, Opel, Daimler... bewirken. Wer soll den die Kosten ausrechnen, wenn hunderttausende Menschen Jahr für Jahr an Lungenkrebs verrecken, nur weil sie nicht rauchen und nur in einer verdreckten Großstadt leben?

Es ist und bleibt ein Hohn, wenn sich Fortschrittsgläubige einbilden, die Welt auf vier Rädern zu erklären und alle an der Mobilität wie als eine Kette der "Sicherheit" in einer Blechbüchse halten zu wollen. Wenn 345 Milliarden gar nicht genug sind, weil sie mit Sicherheit nicht reichen werden, um die tatsächlichen Kosten gegenzurechnen, die der Autoverkehr verursacht.

Alle fahren ab und keiner kommt an in  dieser Rechnung. Die Sicht der Dinge, von außen und von innen, lässt Sachlichkeit gar nicht zu, geschweige denn Genauigkeit. Wer will den schon für die Kosten aufkommen, die Jahr um Jahr durch Raserei, durch...Mobilität entstehen.
Selbst die Studie versagt und selbst die Technische Universität wird versagen, wenn's an Eingemachte geht. Nämlich unsere Lebensqualität, welchen eben nicht von Mobilität sondern von Lebenszeit, von Leben bestimmt wird.

An dieser Stelle stirbt die Liebe zum Auto, weil ich an den Umstand erinnern muss, dass ein "Führer" damals den "Volkswagen" für alle dachte und in Wahrheit aber Panzer bauen ließ, die dann sehr mobil gen Osten fuhren, gegen die Sowjetunion. Der Volkswagen ist ein Panzer und nur so macht er Sinn. Ob die Zukunft wirklich auf vier Rädern oder auf Ketten geht, will ich lieber nicht deuten.

Die Fakten, die uns allen auf den Füßen stehen, will kaum einer wahr haben und viele fallen einer Fortschritts-Onanie anheim, welche alle bitter bezahlen müssen. Von Lebensqualität übrigens redet kaum einer heute...

Uwe Reinwardt

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27. April 2016
Scheergrund-Straße:
Provinz-Posse oder Schildbürgerei? "Grüne Liga" will die Ortsverbindung und den Mulderadweg sperren lassen
Diese Geschichte wird zur Posse: Vor Jahren baute Leisnig und die Gemeinde Großweitzschen die Ortsverbindung Westewitz - Wasserkraftwerk Scheergrund aus, welche bis dato nur von Anrainern und Radlern genutzt wurde. Wobei der Begriff "Ausbau" zu weit gesteckt ist, die schmale Straße liegt mitten in einem besonders empfindlichen Naturschutzgebiet. Somit die Breite auch so gehalten wurde, dass nur die Fahrzeuge, welche zum Klärwerk, zum Stauwerk oder zum Wasserkraftwerk müssen, ausreichend Platz haben. Gleichzeitig wurden damals Versorgungsleitungen verbaut und die Oberfläche grunderneuert.

Nun aber kommt die "Grüne Liga" und deren Anwalt Dr. Sven Kreuter auf den Plan: Dieser sieht grobe Verstöße hinsichtlich des amtlichen Genehmigungsverfahren für die kurze Piste. Angeblich hätte die Untere Naturschutzbehörde Kompensationsmaßnahmen ausweisen müssen, was aber nicht erfolgt sei. Leisnig und Großweitzschen allerdings erfuhren eine Erstellungsgenehmigung und die bereits vorhandene Piste wurde erneuert. Die "Grüne Liga" will nun juristisch eine Sperrung der Verbindung erwirken.

Delikat an der Sache: Das Landratsamt hat die Genehmigung für den Bau zurückgezogen, was schon bald einer Schließung der Strecke gleich käme. Allerdings und wie gesagt könnten nun Anrainer das Wort haben und... Radler.

Das Teilstück zwischen dem Kraftwerk Scheergrund und Ortseingang Westewitz ist Bestandteil des östlichen Mulderadweges. Radfahrer können hier halbwegs ungeschoren vom Motorverkehr Döbeln oder Leisnig erreichen. Dies könnte mit der Sperrung jedoch etwas schwieriger werden, wo doch die Radler dann entlang der Bahnstrecke durch den Hochweitzschener Forst fahren müssten. Und dieser Weg ist mehr als ungemütlich.

Die Beteiligten an der Piste schütteln mit dem Kopf ob einer Posse, die viel mehr einem Schildbürgerstreich gleicht. Grüne Kräfte lassen eingefahrene Wege abstauben und wirbeln gewollt mächtig Staub auf, was allerdings einer schweigenden Mehrheit aufstoßen wird. Man denke ja auch an die Verweigerungshaltung, die einen sanften Verkehr im Striegistal unmöglich macht. Wird so nun auch der Radverkehr im Muldental dank der "Grünen Liga" erschwert? Uwe Reinwardt


25. April 2016

Geschehen Wunder in Sachsen?

Radpiste zwischen Waldheim und Gebersbach-Knobelsdorf soll nach 12 Jahren Planungszeit gebaut werden
Wunder passieren hier in Sachsen nur in höheren Regionen oder nur dann, wenn keiner mehr damit rechnet. So geschieht ein "Beinahewunder" ab dem Herbst des Jahres 2016 zwischen Knobelsdorf-Gebersbach und Waldheim. Dort soll nun entlang der Staatsstraße ein separater Radweg geschaffen werden, um vor allem Besuchern des Freibades Gebersbach eine sichere Anfahrt mit dem Rade zu gewähren. Bislang mussten Besucher auf dem Teilstück von Waldheim bis zum Fußlauf Gebersbacher Straße direkt auf dieser fahren. Dieses 1,3 Kilometer lange Stück wird nun ein "direkter Radweg".

Kosten wird die Piste 1,7 Millionen Euro, welche vollständig vom Freistaat Sachsen getragen werden. Die Stadt Waldheim, Ziegra und Knobelsdorf-Gebersbach kämpfen allerdings schon seit 2004 um eine direkte Radverbindung zum Freibad Gebersbach hin. Zeitverzögert wurden radfreundliche Gehwege erhoben und gebaut, was das Radfahren auf der Gebersbacher etwas entspannter werden lässt. Aber der "Rest" ist bis zum Herbst gefährlich. Die Ortsvorsteherin von Ziegra, Helga Busch, betonte immer wieder die Notwendigkeit eigener Radwege zwischen den Ortschaften und Waldheim, um eben dieser Gefahren, welche immer noch lauern. Bauen konnte hingegen Waldheim eine Radpiste zwischen Meinsberg und der Kaiserburg, welche aber das Grundproblem nicht lösen konnte: Die Verkehrssicherheit der Radler in dieser Region. Uwe Reinwardt

17. April 2016

Geld fließt nur für Straßen

Sachsen gibt sich bewusst als "Autoland". Investitionen in den sanften Verkehr gehen immer weiter zurück
Zugegeben: Zeit muss man schon haben, und Muse! Gern bin ich der Sache nachgegangen, wie viele Projekte für den sanften Verkehr in Sachsen vergangenes Jahr umgesetzt wurden. Bisweilen ist's schwierig, genaue Zahlen als Privatmann zu bekommen, also über verbaute Summen für Radwege, Radstationen, Verleih- und Servicebereiche etc.pp im gesamten Freistadt Sachsen. Freilich kann ich auch nicht alle Städte und Gemeinden abklappern, schon gar nicht mit dem Rade.

Eines gleich vorab: Sachsen hat letztes Jahr für einige Einzelprojekte erhebliche Summen für den Radverkehr verplant. Diese wurden aber gar nicht abgerufen. Wie in einer Note des sächsischen ADFC zu lesen ist, stehen Mittel wohl bereit, werden aber einfach nicht eingesetzt.
Wir lesen:

"Auch Landkreise und Kommunen haben in Sachsen noch einen erheblichen Rückstand aufzuholen.
Aus Unkenntnis und Überlastung nutzen sie die bestehenden Möglichkeiten zur Radverkehrsförderung
nicht aus. Damit sich das ändert und vor Ort zügig und zielgerichtet in sicheren und komfortablen
Radverkehr investiert werden kann, bedarf es, nach dem Vorbild anderer Bundesländer, einer Arbeits-
gemeinschaft fahrradfreundlicher Städte in Sachsen (AGFS). Diese berät Kommunen, koordiniert die
Zusammenarbeit und organisiert Aktionen, um mehr Menschen aufs Fahrrad zu bringen. Der ADFC
wird sich mit seinem Know-how und der Sicht der Nutzer aktiv in die AGFS einbringen. Die
Aufbauphase ist ein kritischer Zeitraum für die AGFS. In dieser Zeit ist eine finanzielle Stützung mit
Landesmitteln erforderlich. Der Landtag soll die dafür im Haushaltsplan 2015/16 nicht abgerufenen
Mittel auch im Haushalt 2017/18 wieder einstellen." (Quelle: ADFC Sachsen, Positionspapier Radverkehr Sachsen)


So weit so gut, so weit so schlecht...
Wie schon vor zwei Jahren verbrachte ich Stunden am Telefon, im Internet, schrieb Mails und bekam auch welche. Über "verbautes" Geld macht niemand gerne Angaben, über Zukunftsaussichten schon. In kleineren Städten Sachsens gibt es löbliche Ansätze, etwas für die Alltagsradler zu tun, kleine Posten allerdings. Und dann sind es meist Progressive Geister, GRÜNE, DIE LINKE meist, die sich mit dem Radverkehr beschäftigen und auch Forderungen stellen. Aber: Ob Eilenburg oder Zittau, Oschatz oder Mügeln, überall krankt es durch fehlende Radwege und Möglichkeiten einer besseren Verzahnung öffentlicher Räume an fehlender Lebensqualität durch eben verbaute Flächen, Autoschlangen und hässliche Einkaufstempel. Geld fließt in Sachsen praktisch nur noch für Straßen und kaum noch für Radwege, so die meisten Auskünfte aus den Städten und Gemeinden.

Wenn Sachsen wirklich 15 Millionen Euro für Radinfrastruktur ausgeben will, so ist allein diese Aussage ein Armutszeugnis. Gemessen an der Konkurrenz andernorts. Letztes Jahr war Leipzig ein Schwerpunkt im Radwegebau, wo anders dann Fehlanzeige. Aber aus den Worten der Dezernenten und Beauftragten klang schon mehr Wehmut auf alte, längst vergangene Zeiten, als das Geld lockerer saß. Heute versucht man bestehendes zu erhalten. Neubauten hat es in der sächsischen Provinz vergangenes Jahr nur ganz wenige gegeben, allesamt in den Städten Chemnitz und Leipzig. Selbst in Dresden musste man zugeben, dass die Ausgaben für Radinfrastruktur ins Stocken geraten sind.

Aber auf dem flachen Lande passiert so gut wie gar nichts! Einzig umlagefinanzierte Projekte, also ufernahe Pisten und Hänge wurden durch den Flutschutz verbessert. Aber dies sind keine Investitionen in die Radinfrastruktur. Sachsen ist und bleibt Autoland!
Uwe Reinwardt




12. April 2016
Meine Lesermeinung zur DAZ-Umfrage...
Aber wie viele Räder hat die Bahn?

Sachsen fahren meist mit dem Auto. Ab und zu vielleicht mit der Bahn, wenige Eilende tun dies, oder wäre es jetzt richtiger zu sagen: taten dies bis jüngst, wenn ich die Strecke Meißen - Döbeln betrachte, die nun schon ganz braun vor Rost geworden ist. Neulich auch ein Kommentar aus dem Nähkästchen: Zwischen Riesa und Ostrau vage Prognosen und Handfeste Tatsachen auch auf dieser Bahnstrecke. Nur wenige Reisende nutzen die Bahn zwischen den beiden Orten, wenige mehr pendeln zwischen Döbeln und Mittweida. Daran werden Absichtserklärungen und neue Niederflurfahrzeuge nichts ändern. Und dann eine ganz private Feststellung auf eine private Anfrage: "Letztlich werden nur noch S-Bahnverbindungen zwischen Chemnitz und Mittweida existieren, darüber hinaus wird es keine Verbindungen mehr auf der Schiene geben".

Klar, wo kein Bedarf ist, kann keiner geschaffen werden, weil - Sachsen lieber auf Asphalt rollen und nicht auf die Bahn angewiesen sein wollen. Wie auch immer, die Messen sind längst gelesen, was nicht negativ sein muss.

Angesichts dessen, dass es auf lange Rücksicht keinerlei sinnhafte Investitionen in den sanften Verkehr Sachsens gegeben hat, dafür aber vollmundig über Radwege geredet wird, die es in Wahrheit gar nicht gibt, muss endlich dieses Grundübel angesprochen werden: Nicht einmal einen Euro gibt die Bundesrepublik in Jahresfrist pro Nase für den sanften Verkehr aus, laut einer nichtamtlichen (ADFC) Statistik, welche aber aus der Realität bemessen sein wird. Radverkehr und auch der Personennahverkehr auf der Schiene werden heute wie das fünfte Rad am Wagen behandelt. Aber wie viele Räder hat die Bahn?

Derweil mach ich mir Gedanken, was man mit der alten Bahntrasse Döbeln - Nossen anfangen könnte. Freilich ist seit der Einstellung des Betriebes Ende des vergangenen Jahres nichts mehr passiert und die vage Vermutung, dass auf dem Gleis in naher Zukunft nichts passieren wird, liegt es doch nahe, die Strecke zurückzubauen und den Unterbau als Bahntrassenradweg zu nutzen, so wie es vielerorts im Altbundesgebiet getan wurde. An sich liegt dieser Gedanke nahe, wo doch selbst Güterverkehr und der Personentransport auf lange Sicht hin, hier keine Chance mehr haben werden. Natürlich sei daran gedacht, dass somit auch der Muldenradweg als ein sicherer Rad- und Wanderweg idealerweise abseits gefährlicher Ortsverbindungen geführt werden könnte.

Uwe Reinwardt

2. April 2016

Bahntrasse Döbeln - Nossen bald Radweg?

Es sollten Fäden und Pläne geschmiedet werden...
Ruhig ist es geworden an der Trasse zwischen Döbeln und Nossen, zu ruhig... Die Gleise zeigen längst braune Patina, vor Monaten rollte die letze Bahn übers Eisen, Proteste verstummen, die Protestler fahren mit dem Auto auch weiterhin. Einzig das Zubringergleis zum Tanklager Rhäsa mag noch scheppern: Den Nossenern Gewohnheit, aber kein Trost!

Die Frage nach dem Bestand des Gleises zwischen Döbeln und Nossen dürfte Berechtigung haben und so kam es dann auch kürzlichst beim Gespräch zwischen "Sub-Eisenbahnern" und dem Autor dazu, den Rückbau der Strecke, auch den Zeitpunkt zu erahnen: "Na ja, so eine Strecke mag mal strategisch gewesen sein, allerdings nur zweigleisig. Der Zubringer zum Tanglager ist nun neu ausgebaut und eine "Ersatzstrecke" wird sich keiner leisten wollen".

Sieh an! Weil ja genau auch diese Strecke, also die zwischen Döbeln und Nossen modernisiert wurde, und dies recht aufwendig! Nun liegt er nahe, der Gedanke, nach der Bahntrasse. Nicht für Schienenfahrzeuge, sondern für Fahrräder. Was im Altbundesgebiet längst Usus ist, nämlich die stillgelegten Trassen der Bahn als Radwege zu nutzen, sollte auch hier funktionieren. Und so möchte ich genau diesen Gedankengang auf die "ehemalige" Bahnverbindung Döbeln - Nossen weiterspinnen, ein Bahntrassenradweg zwischen den beiden Städten als eine einmalige Chance zu erachten, endlich auch den Muldenradweg besser und sicherer zu machen.

Zumal die Trasse da ist und schnell in einen Radwanderweg verwandelt werden und auch günstig mit dem Radtrassenweg Roßwein - Hainichen verbunden werden kann.
Und: Noch lauern keine Kröten am Rand...

Uwe Reinwardt

 

17.März 2016

Stadtplaner: "Das Auto ist Basis für jede verdammte Planung"


Wie kann man die Menschen zum Radfahren bewegen? Der Mobilitätsexperte Mikael Colville-Andersen forscht mit Daten aus der Radfahrhochburg Kopenhagen

STANDARD: Soll die ganze Welt Kopenhagen werden?

Colville-Andersen: Bitte nicht! Das wäre verdammt langweilig.

STANDARD: 2007 haben Sie den Begriff "copenhagenize" begründet. Worauf bezieht sich diese Kopenhagenisierung?


Colville-Andersen: "Copenhagenize" heißt nicht, dass ich über die ganze Welt eine Käseglocke stülpen will, damit wir überall Kopenhagen haben. Das heißt bloß, dass ich das Erfolgsmodell der bizyklischen Mobilität, die in der dänischen Hauptstadt in den letzten zehn Jahren so stark zugenommen hat wie nirgendwo sonst, auch auf andere Städte übertragen möchte – und das mit einem guten, medientauglichen Slogan.

STANDARD: Warum ist Kopenhagen so ein Erfolgsmodell?

Colville-Andersen: In den Achtzigerjahren hat die europäische, westliche Stadtbevölkerung das Radfahren wiederentdeckt. Während der Trend in den meisten Großstädten weltweit als kurz aufflackerndes Nischenphänomen interpretiert und mehr oder weniger mit einem Lächeln geduldet wurde, hat man die Renaissance in Kopenhagen als Beginn einer neuen Ära verstanden. Von der ersten Minute an haben wie massiv in die Entwicklung investiert. Damit hat sich Kopenhagen, was die Radfahrmobilität betrifft, auf Platz 1 katapultiert.

STANDARD: Was heißt das in Zahlen ausgedrückt?

Colville-Andersen: 63 Prozent der Kopenhagener bewegen sich innerstädtisch mit dem Rad fort. Die interkommunale Radfahrquote – also jener Anteil der Menschen, die zwischen Kopenhagen und den 22 umgebenden Gemeinden verkehren – beträgt 45 Prozent. Das ist enorm.

STANDARD: Worauf ist diese hohe Quote zurückzuführen?

Colville-Andersen: Mit 200 strategischen Zählpunkten ist Kopenhagen die Stadt mit den besten Radfahrdaten weltweit. Diese Daten sind Basis für unsere Forschung und für unsere Experimente. Der wichtigste Aspekt ist der Bau von Radspuren und ausreichend breiten Radwegen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Einführung von grünen Ampelphasen – und zwar für Radfahrer und nicht für die Autofahrer! Und nicht zuletzt braucht man die entsprechende Infrastruktur wie etwa Radständer, Radgaragen oder etwa Haltegriffe und Relings an den Kreuzungen, damit die Füße auf den Pedalen bleiben können.

STANDARD: Gibt es eine Faustformel für die grüne Radwelle?

Colville-Andersen: Wir haben sehr lange herumexperimentiert. Je nach Dichte und Frequenz auf einer Radstrecke rechnen wir in der Regel mit 15 bis 20 km/h Fahrgeschwindigkeit.

STANDARD: Das klingt nach sehr konkreten Zahlen. Warum ist das nicht längst schon flächendeckende Realität?

Colville-Andersen: Wenn das bloß so einfach wäre! Die gesamte Verkehrsplanung in der westlichen Großstadt basiert auf mathematischen Algorithmen aus den Fünfzigerjahren, als alles, einfach alles auf das Automobil zugeschnitten war. Diese Verkehrsbarometer sind aus der heutigen Stadtplanung kaum wegzudenken, weil sie die Basis für jedes verdammte Planungs- und Simulationstool sind.

STANDARD: Lässt sich das nicht ändern?

Colville-Andersen: Doch. Wir arbeiten seit Jahren intensiv daran, die Ampelschaltung vom Fokus Auto wegzubringen. Wenn es uns gelingt, wird Kopenhagen 2018 die erste Stadt weltweit sein, deren Verkehrsmodell sich zur Gänze prioritär am Verhalten von Fußgängern und Radfahrern und sekundär am öffentlichen Verkehr orientieren wird. Das Auto steht dann an dritter Stelle. Das ist eine Neuschreibung der Geschichte der Mobilität.

STANDARD: Welche Städte haben Sie in den letzten Jahren bereits kopenhagenisiert?

Colville-Andersen: Amsterdam, Paris, Straßburg sowie ein paar Städte in den USA wie etwa Long Beach im Großraum Los Angeles. Demnächst starten wir ein Projekt in Detroit. Wenn das klappt, setzen wir damit neue Maßstäbe, denn Detroit muss sich nach dem Ende der Automobilindustrie und nach der Schrumpfung um fast 70 Prozent völlig neu erfinden. Hier ist die Implementierung eines funktionierenden Radsystems kein Lifestyle, sondern pure Notwendigkeit.

STANDARD: Wie lange dauert es, bis sich in einer Stadt ein neues Radsystem etabliert hat?

Colville-Andersen: Das hängt stark vom politischen Willen der Stadtregierung ab. Aber erfahrungsgemäß kann ich sagen: Die ersten Schritte von null auf fünf Prozent Radfahranteil in der Bevölkerung sind die schwierigsten. Wenn diese Hürde geschafft ist, ist der Rest ein Kinderspiel.

STANDARD: Also?

Colville-Andersen: Je nach Stadtgröße und Rahmenbedingungen gehen wir von ein paar Jahren aus. Aktuell arbeiten wir an einem Radwegenetz für Almetjewsk in Tatarstan in Russland. Das ist eine Stadt mit 150.000 Einwohnern, die ironischerweise von den umliegenden Erdölfeldern lebt. Letztes Jahr habe ich einen Anruf vom Almetjewsker Bürgermeister erhalten, der meinte: "Wir wollen in zwei Jahren Kopenhagen werden! Ja genau, Sie haben richtig gehört!" Also bauen wir jetzt mitten in den Ölfeldern, wo heute noch niemand ein Fahrrad besitzt, Radwege.

STANDARD: Wie weit ist das Projekt?

Colville-Andersen: Letzten September haben wir das Konzept gemacht. Aktuell arbeiten wir an der Detailplanung. Im Mai starten die ersten Bauarbeiten mit einem groben Netz mit 50 Kilometern. Das Schöne ist: Wir haben hier wirklich eine Carte blanche, denn aktuell gibt es einen Radfahranteil von fast null.

STANDARD: Wie viel Prozent möchten Sie erreichen?

Colville-Andersen: In den ersten zwei Jahren fünf Prozent. Langfristig 20 Prozent. Das ist realistisch. Zwar nicht ganz Kopenhagen, aber immerhin.

STANDARD: Vor ein paar Jahren haben Sie den Copenhagenize-Index eingeführt. Was sagt dieser Index aus?

Colville-Andersen: Aktuell haben wir 120 Städte auf dem Radar. Wir messen mit Spezialisten vor Ort 13 unterschiedliche Parameter wie etwa die relative und absolute Länge des Radwegenetzes, die Anzahl der Radfahrer, den Ausbau der Infrastruktur, aber auch softe Facts wie etwa die Multimodalität, also den Verkehrsmittelmix in den zurückgelegten Wegen, die Unterstützung der Stadtregierung oder den politischen Willen. Einer der wichtigsten Faktoren ist der Gender-Split, also der Frauenanteil.

STANDARD: Wieso das?

Colville-Andersen: Kennen Sie die Geschichte mit den Kanarienvögeln in den Kohleminen? Die Kanarienvögel waren immer die Indikatoren für die Luftqualität in den Gruben. Kanarienvogel lebendig: Luft gut. Kanarienvogel tot: Luft schlecht. So ähnlich ist das mit den Rad fahrenden Frauen in der Stadt – und das meine ich jetzt wirklich nicht sexistisch. Je mehr Frauen und Mütter mit Kindern mit dem Rad unterwegs sind, desto größer ist das subjektive Sicherheitsgefühl und Wohlbefinden. Das ist ein essenzieller Indikator für die Radfahrqualität in der Stadt. Ein adoleszenter Testosteronbomber mit 40 km/h auf den Pedalen ist da eine weitaus schlechtere Auskunftsquelle.

STANDARD: Wo steht Wien auf diesem Index?

Colville-Andersen: Wien befindet sich aktuell auf Platz 16. Sehr gut unterwegs, aber mit Luft nach oben.

STANDARD: Wo ist Luft?

Colville-Andersen: Das Radwegenetz ist sehr gut ausgebaut. Die Infrastruktur wie etwa Stellplätze, Radgaragen und Ampelphasen lässt sehr zu wünschen übrig.

STANDARD: Die größte Überraschung auf der Liste?

Colville-Andersen: Ich freue mich, dass Barcelona und Buenos Aires unter den Top 20 sind. In beiden Städten gab es bis vor wenigen Jahren nur ein paar vereinzelte Radfahrer. Heute gibt es ein klares Bekenntnis zur Radfahrmobilität. Ein großes, ganz persönliches Wow ist für mich Paris. Hier wurden in den letzten paar Jahren mehr als zwei Millionen Fahrräder verkauft. Damit sagt uns der Konsument, dass das Konzept aufgegangen ist.

STANDARD: Ihr Wunsch für die Zukunft?

Colville-Andersen: Ich wünsche mir, dass ich in 20, 30 Jahren keinen Job mehr habe. Dass es keinen Bedarf mehr nach Copenhagenize gibt. Dass die Menschen dann von Buenos Aires, von Parisification, vom Detroit-Effekt sprechen. (Wojciech Czaja, 17.3.2016)

Quelle: "Der Standard", 17. März 2016




4. Februar 2016

Eine ganze Region fällt in touristische Bedeutungslosigkeit:

Nach Aufgabe der Bahnverbindung Meißen-Nossen-Döbeln steht die wichtige Nord-Südachse Riesa-Chemnitz zur Disposition. Regionaler Verkehrsverbund Oberelbe sieht mangelnde Auslastung auf der Strecke zwischen Ostrau und Riesa als ein Grund zur Abbestellung der Verbindung. Vor Weihnachten war es noch ein böses Gerücht, die Tage aber lasen wir in der "Leipziger Volkszeitung" folgendes:


Region Döbeln. Waldheim ist gerade dabei, sein Bahnhofsgelände nach dem Teilabriss der Station wieder ordentlich aufzuhübschen. Die Stadt ist außerdem um einen barrierefreien Zugang zu den Gleisen bemüht. Wenn die Überlegungen Realität werden, die jüngst Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) geäußert hat, wird sich die Stadt diesen Aufwand womöglich sparen können. Dann hält kein Zug mehr in Waldheim.

Und auch nicht in Ostrau und Zschaitz. Von Döbeln käme auf der Nord-Süd-Achse auch keiner mehr weg. „Nach einer Abbestellung der RB 45 würden Orte wie Mittweida, Erlau und Ostrau im Landkreis Mittelsachsen endgültig vom Eisenbahnnetz abgekoppelt. Damit würde auch die touristische Erreichbarkeit der Region in Frage gestellt“, warnt Katja Meier, verkehrspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen im Sächsischen Landtag. Die Bündnisgrünen kritisieren die jetzt laut gewordenen Gedanken zu den drastischen Einschnitten im öffentlichen Schienennahverkehr scharf. „Der Betrieb der RB 45 Chemnitz – Mittweida- Döbeln – Riesa – Elsterwerda wurde gerade erst für 14,5 Jahre an die Mitteldeutsche Regiobahn vergeben – bei Abbestellung drohen hohe Entschädigungszahlen“, sagt die Grüne Verkehrsexpertin Meier.

Grüne bezeichnen Pläne als Schildbürgerstreich

Im Oktober vergangenen Jahres hatte der Verkehrsverbund Mittelsachsen nach Chemnitz auf den Hauptbahnhof geladen, um eine rollende Investition für mehrere Millionen Euro vorzustellen: Den Alstom-Coradia-Continental-Triebwagenzug. 29 Stück hat der VMS bestellt, einige haben bereits den Testbetrieb absolviert. „Bis Ende Mai wollen wir alle 29 Züge an den VMS übergeben“, sagt Susanne Sperling, die die Unternehmenskommunikation bei Alstom leitet. Diese neuen Züge sollen auch auf der Strecke Chemnitz-Riesa fahren.

Das geschieht nicht, wenn die kommunalen Zweckverbände den Schienenverkehr auf der Strecke abbestellen. Das sind der Zweckverband Verkehrsverbund Oberelbe (ZVVO) und der Zweckverband Verkehrsverbund Mittelsachsen (ZVMS). Zu diesen Verbänden haben sich Landkreise zusammengeschlossen, um den öffentlichen Nahverkehr in einem bestimmten Gebiet zu organisieren. Im VMS sind die Landkreise Erzgebirge, Zwickau, Mittelsachsen und die kreisfreie Stadt Chemnitz. Die Grünen bezeichnen eine Abbestellung des Schienenverkehrs auf dieser Strecke als „Schildbürgerstreich“. Sie weisen daraufhin, dass der Freistaat nur bis zu 80 Prozent sogenannter Regionalisierungsmittel direkt für den öffentlichen Nahverkehr aufwende. Diese Mittel zahlt der Bund an die Länder. Sie stammen aus den Einnahmen der Mineralölsteuer. Dem Freistaat Sachsen drohe laut Verkehrtminister Dulig eine Kürzung dieses Geldes.
VMS hält am Vertrag fest

Die Grünen fordern daher, dass die CDU/SPD-Koalition schon im Vorgriff auf den Doppelhaushalt 2017/18 deutliche Signale für mehr Mittel für den ÖPNV senden soll. „Mindestens 90 Prozent aller Regionalisierungsmittel müssen kurzfristig im Haushalt an die Verkehrsverbünde weitergeleitet werden – so wie es die SPD in der Opposition immer gefordert hat. Nur dann lassen sich die von den Verkehrsverbünden ins Spiel gebrachten Abbestellungen von Bahnstrecken noch abwenden“, sagt die Grüne Verkehrsfachfrau Katja Meier.

Ihre Fraktion sieht den Verkehrsverbund Oberelbe als Verkünder der Pläne, den Schienenverkehr auf der Strecke Riesa-Chemnitz abzubestellen und damit Waldheim, Zschaitz und Ostrau komplett vom Bahnverkehr abzukoppeln. Der ZVMS spielt offenbar nicht mit solchen Gedanken. „Vertragsänderungen durch den ZVMS gibt es nicht, der Verkehrsvertrag gilt ab Juni 2016“, sagt ZVMS-Pressesprecherin Silke Dinger. Wenn aber nun – und das ist in der Kleinstaaterei der Zweckverbände möglich – der Zweckverband Verkehrsverbund Oberelbe den Schienenverkehr auf seinem Gebiet tatsächlich abbestellen würde, wäre Ostrau Endstation der RB 45. Die Strecke würde aller Voraussicht nach einen Tod auf Raten sterben.

Bei der RB 110 Meißen-Leipzig war es ähnlich: Hier bestellte der ZVVO den Bahnverkehr zwischen Meißen und Nossen ab. Seit Jahresbeginn ist nun Döbeln Endstation dieser Eisenbahnlinie. Mal sehen, wie lange noch.

Quelle: "Leipziger Volkszeitung" vom 2. Februar 2016



Nun doch?

Ein Konzept aus Papier beschreibt Pläne, wonach bald ein zusammenhängender Radweg von Döbeln nach Riesa entlang der Jahna in die Realität gesetzt werden könnte. Alles bekannt? Sicher! Einst im Umweltzentrum Ökohof Auterwitz geplant, könnte das alte Konzept ein neues sein...:

Noch sind die Planungen auf dem Papier und in den Köpfen der Teilnehmer des Arbeitskreises Jahnatalradweg. Doch auch in den Wintermonaten wurde von den Akteuren viel unternommen, um einen Teil der Vorhaben für einen attraktiven Radweg entlang der Jahna von Döbeln bis Riesa in diesem Jahr umzusetzen. "Wir waren in den vergangenen Wochen einige Male für unser Projekt unterwegs", so Katrin Leipacher. Federführend arbeiten sie und Matthias Jönzen an diesem Projekt. "Wir sind schon ein ganzes Stück vorangekommen. Allerdings wird der Radfahrer davon nichts merken", sagte Leipacher. So gab es ein Gespräch im Landesamt für Straßenbau und Verkehr über die mögliche Förderung des Vorhabens.

Es sei geplant, in Kürze einen entsprechenden Förderantrag zu stellen, so die Ostrauerin. Der Arbeitsgruppe sei geraten worden, nicht wie geplant einen Antrag für alle Gemeinden zu stellen. Das soll jede Gemeinde selbst übernehmen. "Allerdings sollen die Kommunen eine Vereinbarung über die festgelegten Ziele und Vorhaben schließen, so Leipacher.

Vier Gemeinden und zwei Städte wollen an einen Strang ziehen. Das sind Döbeln, Zschaitz-Ottewig, Ostrau, Stauchitz, Naundorf und Riesa. Ziel ist es, den 35 Kilometer langen Radweg entlang der Jahna attraktiver zu machen. Das heißt, er wird eine einheitliche und eindeutige Beschilderung, ein Logo, Informationstafeln, Rastplätze und teilweise eine bessere Fahrbahn bekommen. Dafür gibt es bereits ein Konzept, das den Gemeinden und den Städten vorgestellt wurde. "In Stauchitz und Riesa muss noch der Routenverlauf geklärt werden. Da sind wir noch dran", so Katrin Leipacher.

Die eine oder andere Kommune hat schon ein Stück des Radweges in letzter Zeit in Ordnung gebracht. In Pulsitz ist zum Beispiel der Dorfplatz hergerichtet worden, der auch Radfahrern als Rastplatz dienen kann. Im Ortsteil Jahna soll der Ausbau eines Wegstückes entlang der Jahna Ende März beginnen. Dabei handelt es sich um eine Maßnahme zur Beseitigung von Hochwasserschäden aus dem Jahr 2013.

Bevor das Konzept entstand, hatten einige Akteure den Weg entlang der Jahna von der Quelle bis zur Mündung abgefahren. "Mir war es wichtig, noch einmal auf die Besonderheiten, die der Radweg hat, hinzuweisen. Die Fotos sollen Anregungen geben, wo eventuell weitere Informationstafeln aufgestellt werden könnten", so die Ostrauer Gemeinderätin.

Mit ihren Mitstreitern wurde eine Übersicht über die Eigentumsverhältnisse und den Zustand des Weges, sowie ein Konzept zur Darstellung der Sehenswürdigkeiten von der Quelle bis zur Mündung erarbeitet. Die Anliegerkommunen einigten sich auf die Größe und den einheitlichen Rahmen der Infotafeln. "Die Informationen, die auf den alten und verwitterten Tafeln standen, sind gesichert.

DerJahnatalradweg bildet die Verbindung zwischen dem Mulde-Radweg und dem Elbe-Radweg. Entstehen könnte ein touristischer Rundweg von Riesa über Döbeln, Nossen, Lommatzsch, Meißen und wieder Riesa.

Sylvia Jentzsch  "Döbelner Anzeiger" vom 30. Januar 2016




Der Andere Rückblick:
Von elektrisch bewegten Rentnern und abgeschnittenen Gleisen...
Zugegeben: Dieses Jahr wirbelte viel Staub auf, der sich nicht so recht setzen will, grad jetzt über Weihnachten. Durch die Maske betrachtet wirkt dieser Staub auf alles unscharf, unwirklich. Höhepunkt zweifelsohne ein Drama auf Schienen: Die Verbindung zwischen Meißen und Döbeln ist gekappt, eine ganze Region geht auf die Straße. Nicht im wörtlichen Sinne, dies macht kaum einer hier, wozu auch?

Ist doch tatsächlich zum Torschluss eine Demo in Nossen losgegangen, direkt am Weihnachtsmarkt, an Fressbuden vorbei: Wir wollen Bahn fahren - aber jetzt nicht mehr! Die Genossen von den Grünen oder der Linke hab sich einen Scherz erlaubt, wo doch keiner von denen wirklich je mit der Bahn fährt, sondern mit dem Auto Freiheiten erfährt...

Nein, es fahren wirklich kaum Leute mit der Bahn zwischen Meißen und Döbeln, was den Betreiber letztlich zwang, die Verbindung einzustellen. Rein wirtschaftlich betrachtet verständlich, vom Punkte der Warte aus, also die strategische Sicht, ist es eher unverständlich. Aber die Bahn macht minus und dies sollten alle spüren...

Die Jahnatalradroute dämmert vor sich hin und existiert eigentlich nur noch von Ostrau aus in Richtung Riesa und selbst dort ist ihre Anlage nur noch ein Schatten einer Radroute. Leider! Ich fuhr dieses Jahr dreimal in Richtung Riesa, um Umschau zu halten, was auf der Piste los ist...

Matsch ist los, jetzt im Herbst / Winter. Ist halt ein Naturradweg.
Einige Gemeinden haben die Schilder ausgebessert, die Ränder wurden gemäht und das "Großgrün", die Bäume, beschnitten. Leider aber ist in Döbelner Richtung wirklich der Wurm drin. Hier wurde der Weg im Zuge der Baumaßnahmen in Zschaitz zerstört und auch die Schilder zeigen nur noch ins Leere.

Wäre ja sehr zu wünschen, dass sich die Anrainergemeinden darauf besinnen, den Weg wieder in Ordnung zu bringen, damit ich nicht wieder schlecht schreiben muss im nächsten Jahr...

Was ist noch passiert?
Die reifere Generation ist elektromobil!
Und ich habe gestaunt: So viele ältere Menschen fahren mit Elektrorädern, wie heißen die Dinge? Pedeleks! Neulich hab ich noch geschimpft über die Unart, doch bedenke ich, dass einer selbst mal älter werden sollte, diese Option nicht zu verachten ist. Also werd ich mich in Zukunft nicht mehr darüber auslassen, wenn rüstige Senioren mit Überschallgeschwindigkeit elektrisch beschleunigt an mir vorbei zischen und mir das Staunen darüber über die Füße fährt...

Dieses Jahr brachte auch für mich einen neuen Rekord: Fuhr ich doch rein rechnerisch wirklich über 6500 Kilometer mit dem Rad, meist Dienstwege, schnelle Verbindungen und meiner etwas dörflichen Lage geneigten Piste, etwas ausserhalb der Zentren gelegene Heimstätte. Mit der Bahn bin ich mindestens 1000 Kilometer gefahren, aber dieser Luxus ist nun mit dem Bus nicht auszuhalten: Der Bus nimmt mein Alu-Esel nicht mit!

2016 ist auch ein Jahr und ich hoffe sehr, dass wir Radler allesamt am Leben bleiben. Ist es doch heute schwierig, einigermaßen gesund nach Hause zu kommen, angesichts wahnwitziger Raserei auf vier Rädern. Ich weiß nicht recht, ob wir, die friedfertigen Radler, länger Gefahren erdulden sollten, erfahren müssen, wo wir doch Rücksichten nehmen eben auf grad diese "Wilden", die nach unser Leben fahren...

Noch etwas: Dieses Jahr brachte es ans Licht: Vater Staat (welcher?) verläßt uns langsam, der Raubbau auf allen Strecken feiert Urstände. Die Bahn hat uns verlassen, die Bildung, das Sozialwesen und andere. Aber wahrscheinlich bin ich noch immer weltfremd und blauäugig. Und das bin ich wirklich! Da sah ich doch die Karikatur in meinem Archiv der Leipziger Volkszeitung vom 5. Januar 1967 und bot mich darüber, wie sehr sich die Dinge doch ähneln...
Uwe Reinwardt
Bild: "Leipziger Volkszeitung" vom 5. Januar 1967



Abschied vom Gleis
In wenigen Tagen ist es soweit: Eine der ältesten sächsischen Bahnstrecken, nämlich die zwischen Leipzig und Dresden über Meißen, verliert ihrer Bedeutung für die Region der südlichen Lommatzscher Pflege, Meißen, Nossen, Roßwein und Döbeln. Mit der Einstellung des Betriebes zwischen Meißen und Döbeln wird eine ganze Region vom Bahnverkehr abgeschnitten und auf die Straße reduziert. Busse sollen den Bahnverkehr ersetzen. Kritiker meinen, dass es doch unmöglich sei, eine Bahn durch den Bus zu ersetzen, was zweifelsohne durchaus nachvollziehbar ist.

Als Grund für die Stillegung der Strecke Döbeln-Meißen sei die geringe Auslastung auf diesem Teilabschnitt der Strecke Leipzig - Meißen genannt worden, für den Betreiber Grund genug, um die Strecke "halbseitig" aufzugeben. Immer wieder machten sich Proteste insbesondere der Nossener Luft, welche ihre Stadt nun vollkommen abgeschnitten sehen.

Allerdings zeitigte sich der "Widerstand" unredlich: Allen Beteuerungen und Zurufen zum Trotz, fuhren die "Kritiker" selber kaum und nicht mit der Bahn und ziehen lieber das Auto vor, das alte Lied...

Zeitlangs fuhren gerademal 15 Fahrgäste als Maximum zwischen Nossen und Döbeln, oft weniger mit den schönen Triebzügen der DB mit und sorgten damit für das doch große Loch bei der Deutsche Bahn AG. Die Strecke selber wird nicht Bahntrassenradweg werden, sondern bleibt als strategische Ausweichstrecke für das Tanklager Starbach von Bedeutung.

Am Tage des letzten Betriebes auf dem Teilabschnitt wollen Grüne und Bürger der Stadt Nossen eine Demo in dieser Stadt veranstalten. Zu spät, mag sich der eine oder andere Zeitgenosse Gedanken machen. Allerdings sind nicht alle Messen gelesen: Ein tschechisches Unternehmen steht in den Startlöchern, um eventuell dem Teilabschnitt zwischen Meißen und Döbeln wieder Leben einzuhauchen...

Uwe Reinwardt



Graue, trübe Novembertage...

Novembertage taugen nichts, sagt mir mein Überbewußtsein. Graues Einerlei, bisweilen depressiver Verstimmung, weil Tage manchmal überflüssig erscheinen, insbesondere heurige Novembertage, hin- und hergerissen von Sinnfragen...

Der Jahnatalradroute tut der November auch nicht gut: Der Weg ist matschig, manchmal gar nicht befahrbar. Selbst Läufer bleiben aus und die Vierbeiner ohne Herrchen. Nur die Jahna plätschert friedlich dahin, sie hat nie Depressionen...

Heute ist wieder so ein grauer Tag, in Riesa bahnen sich Weltmeisterschaften im Tanzen an, alles läuft auf dieses Sportereignis des Jahres hin. Selbst der Weihnachtsmarkt wird zum Tanz. Aber auf die Jahnatalradroute verliert sich niemand.

Wenn ich der Piste halber hier Notizen machen, so deswegen, da ich immer mehr beobachte, dass der "Radweg" verlandet, versandet, verkrautet, sich verliert. Selbst Schilder kippen um und Baumaschinen tun den Rest. Bei Zschaitz gibt es die Jahnatalroute praktisch nicht mehr, weil sie nun völlig vermatscht und zugewachsen ist.

Kein Interesse! Sagt zwar keiner hier, aber im Grunde ist es nicht anders. Die kleinen Anrainergemeinden haben überhaupt keine Mittel mehr, um selbst den leichtesten Part zu übernehmen: Grasschnitt, Baumschnitt, Wegesicherung, Schilder.

Nix passiert mehr, als ob nun der letzte Gedanke an eine so schöne Strecke verloren gegangen wäre. Radfahrer sind hier in Sachsen eine verlorene Spezies, komische Typen, die immer nörgeln müssen. Klar: haben ja allen Grund dazu. Denn wie überall passiert in Mittelsachen, Meißen und Nordsachsen relativ wenig bis nichts in Sachen Radverkehr.

Freilich schäumt das Eigenlob der Verwaltungen über, wenn mal wieder ein Bürgersteig wellenfrei gemacht wurde und Radler darauf fahren dürfen. Wie gnädig!!! Leipzig grad eben, wo fast jeden Tag ein Radler über den Haufen gefahren wird, lobte sich ob der Liebknecht-Straße, welche nun neu hergerichtet, auch Platz für Radler bietet.

Wer in Sachsen mit dem Rade fährt ist entweder depressiv und selbstmordgefährdet, oder verrückt. Oder übergeschnappt... Jedenfalls kann ich's nicht anders sehen. Verwegen sehe ich Radler Hinternisse umschiffen, neue Wege. Die "Panzersperren", die kurzen Abschnitte, welche im Winter nie geräumt werden, weil ja eh keiner fährt, sind meist im Blick der größeren Orte, auch hier der Schaum des Eigenlobes, wie toll doch das Radwegenetz in Mittelsachsen ist.

Ich sag nur: Vergesst es! Kaum eine Region in Deutschland geht dermaßen stiefmütterlich mit ihren Radlern und Radtouristen um. Schilder hinkleben "Lutherweg", dem Hetzer wegen. Das ich nicht lache!
Ihr lieben Touristen, vergesst diese Region, ihr verliert euch auf nicht vorhandenen Radwegen. Ein Navi hilft übrigens auch nicht...

Uwe Reinwardt




Windhose zieht Spur der Verwüstung
Die Tage zog eine Windhose nahe Zschaitz ihre Bahn durch das dichte Gehölz von Pappeln, Buchen und Eichen, legte gleich 20 Bäume wie in einer Streichholzschachtel beiseite und blockierte den Jahnatalradweg über Tage. Die Gemeinde kann sich freuen: Jetzt gibt es wieder eine Menge Bruchholz!
Allerdings: Der Baumbestand entlang der Jahnatalroute ist ziemlich alt und anfällig für derartige Ereignisse. Immer wieder gibt es Diskussionen, wenigstens die alten Pappeln vom Wegesrand zu entfernen. Was offenbar Sinn macht... (Ende Juli 2015)
Keine 10 Zentimeter mehr...

 

Kaum noch mehr 10 cm breit ist die Jahnatalradroute an vielen Stellen. Offenbar haben die Anliegergemeinden wenig Interesse am Radverkehr in ihrer Region... Fotos: Uwe Reinwardt (Ende Juli 2015)

 

 
 
 

Freunde, schaut auf Frankreich...Eintrag vom 24. Juli 2015

Frankreichs Metropole hat genug von Staus und Luftverschmutzung: Der Stadtrat will dem Fahrrad den Vortritt geben


"Hand aufs Herz", fragte die Pariser Stadträtin Edith Gallois diese Woche die übrigen Parlamentarier: "Wie viele von Ihnen sind mit dem Vélo zu dieser Ratssitzung gekommen?" Im prunkvollen Saal des Pariser Rathauses reckten sich nur ein paar Hände in die Luft - Zeichen genug, wie schlecht es um den Pariser Verkehr bestellt ist. Die Lichterstadt ächzt unter den chronischen Staus, dem infolgedessen aggressiven Verhalten der Autofahrer und einer miserablen Luft. Sie atmet sich bisweilen, wie wenn man in einem normalgroßen Wohnzimmer mit acht Kettenrauchern zusammen wäre. Das behauptete jedenfalls die Stadtverwaltung, als sie im März wegen Feinstaubalarms wieder einmal anordnete, dass abwechselnd nur die Autos mit geraden und dann mit ungeraden Nummernschildern in die City fahren durften.


Bürgermeisterin Anne Hidalgo hat deshalb schon Anfang des Jahres angekündigt, dass Dieselautos ab 2020 aus Paris verbannt würden. Ihr langjähriger Vorgänger Bertrand Delanoë hatte seinerseits schon einen flächendeckenden und erfolgreichen Verleih von Fahrrädern (Vélib) und Elektroautos (Autolib) gestartet.


Jetzt will der Stadtrat einen Schritt weitergehen und die Pariser Bürger anhalten, sich selbst ein "bicyclette" (Zweirad) zu beschaffen. Deshalb lanciert er auf Antrag der rot-grünen Stadtregierung einen "plan vélo" über 150 Millionen Euro. Dazu gehört unter anderem die Schaffung von 10.000 Parkplätzen für private Fahrräder. Bei Bahnhöfen und anderen Orten können Vélo-Besitzer für fünf Euro sogar permanente, diebstahlsichere Standplätze mieten. Der Kauf von Fahrrädern wird subventioniert.


Ausbau des Radwegnetzes


Noch bedeutender ist die Ausbreitung der Radwege. Sie sollen bis 2020 auf 1400 Kilometer verdoppelt werden. Entlang der Seine, aber auch auf einer Nordsüd- und einer Ostwestachse werden sie sogar im Gegenverkehr funktionieren. Zu diesem Zweck müssen die Autofahrer auf vielbenutzten Achsen auf eine Fahrspur verzichten. Auf der am Louvre vorbeiführenden Rue Rivoli etwa werden sie zur Rechten von einer Busspur und zur Linken neu von einem doppelten Radweg flankiert sein; dazwischen bleibt für sie oft nur noch eine Spur übrig.


Außerhalb der breiten Boulevards sinkt die Höchstgeschwindigkeit überall auf 30 km/h. Vor allem werden die Verkehrsampeln so eingestellt, dass die Vélo-Fahrer vorfahren dürfen, wenn die Autofahrer vor dem Rotlicht warten. Damit will Hidalgo generell den Vortritt des Fahrrads vor den Autos durchsetzen.


"Eine neue Ära beginnt", erklärte die sozialistische Bürgermeisterin, als der Vélo-Plan fast ohne Gegenstimme angenommen worden war. "Paris wird eine Hauptstadt des Vélo!" Der konservative Abgeordnete Philippe Goujon dämpfte die Freude mit dem Hinweis darauf, dass Paris bis auf weiteres eine der meistverschmutzten Städte der Welt bleibe. (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, 16.4.2015)


Elektronen oder was?

Ich wollt ihn ja immer als elektrischen fahrbaren Untersatz bezeichnen, jenen Aussatz aus elektromobiler Fortschrittsgläubigkeit und Dekadenz, heute E-Bike oder elektrisches Fahrrad genannt. Also, bei aller Liebe! Immerhin tun sich viele reifere Menschen gütlich daran, nicht mehr selber den Berg hinan zu strampeln, mit Last teilweise, von mir beobachtet bereits vor einigen Jahren, bestaunt und hinterfragt. Mir stand es nie danach, diesen Fortschritt zu kritisieren. Erst war es mein Unvermögen, einen langen Berg lange auszuhalten, mit Tempo 13, als eine ältere Dame in Leisnig (Landkreis Mittelsachsen) an mir vorbeizog und ich diese Erscheinung überhaupt nicht deuten konnte: Mobiler Fortschritt hat Elektronen unter dem Hintern. Dachte ich...
 
Aber es kam dann anders, als ich von den ersten schweren Unfällen mit den Dingern hörte, als die Stiftung Warentest kritisierte, dass die Rahmen wohl nicht halten, was sie ertragen und versprechen können, dass während der Fahrt der Rahmen brach. Und so weiter. Im letzten Jahr wurden angeblich über 100.000 Exemplare verkauft, was ich gerne glauben will. Was froh auf vier Rädern gedacht war, also der mobile Fortschritt, kommt nun auf zwei Rädern, schnell genug, um mir das Fürchten zu lernen...
 
Aber egal.
Wär ja auch zu schön, Stromkreise auf vier Rädern halten zu wollen, wo doch an der frischen Luft mehr zu gewinnen ist. Ein älterer Herr kam mir mit dem E-Bike in Seerhausen entgegen, auf der Jahnatalradroute, geschätzte 30...
kmh, mit Schwung und Elan. Was hat er, was ich nicht habe? Elektronen? Ja klar! Ich, ohne Elektronen, muss mich sputen, um nicht unmodern zu wirken. Wo doch alles schnell geht heutzutage. Es ist wie ein Fluch: Langsam, auf einem Sattel unterwegs zu sein, mag beinahe verdächtig sein. Weil ich doch langsam bin, selbst am Fließband. Aber die rüstigen Senioren mit 30 kmh?
Richtige Tempomacher!
Meint Euer Uwe Reinwardt

Kopf hoch - mit und OHNE Helm
Sie sind in Mode...
Nicht die Hüte!
Helme sind gefragt, auf des Radlers Kopfe hoch.
Droben lauern die Gefahren, alte Äste, Girlanden!
Oder Kometen...

Ich werd nicht schlau
Aus des Kopfes Überbau
Ist es schlau, den Helm zu tragen?
Zum Sturz bereit?
Was sagt das Genick dazu?
Und der gebildete Kopf?

Beim Sturze auf die Kante
Muss man achten auf den Helm!
Wie ein Krieger
Um Schaden abzuwenden bei Leib
Und Leben!
Ist es schlau, den Helm zu tragen?

Oder ist's nur Mode
Hingetragenes Geld!
Und der Schutz ist angetragen
Der Floskel zum Gruße!
Fällt hin und stürzt
Vom Helm geschützt?

Diese Zeilen kamen mir grad in den Sinn, wie ich doch beobachte, dass viele RadlerInnen bereits einen Helm zur Zierde tragen. Die Kosten Geld, die Dinger! Und Sinn machen sie maximal im Radsport! Aber dies sei dahingestellt. Interessant die Fallstudien, wonach bei Gesetzespflicht und Einführung der Helmpflicht die Radler(Innen) ihr Rad stehen lassen (Australien/ Neuseeland), und dies in Größenordnungen. Also die Einführung der Helmpflicht ist eindeutig kontraproduktiv. Zumal eingehende Untersuchungen belegen können, dass Kopfverletzungen nicht wirklich verhindert werden können, eher mehr Genickbrüche zu verzeichnen sind (Wirkwinkelverlängerung).
All dies im Namen der Schutzwirkung übergeordneter Schreibtischtäter, die selber natürlich kein Rad fahren. Und wir bleiben immer und immer wieder in der Kinderwelt, wonach Erwachsenen vorgeschrieben wird, was sie zu tun und zu lassen haben. Auf Geheiß der Helmindustrie...

meint Euer Uwe Reinwardt (17. Mai 2015)

Auf Linie
zu fahren ist beinahe ein Zierde. Gemeint ist die Fahrbahnbegrenzung am Rade der Piste, gemeinhin Straße genannt. Ich als Radfahrer brauche wirklich wenig Platz auf der Straße, wohingegen andere Zeitgenossen, meist männlich, rücksichtslos und überaus aggressiv, schon mal die halbe Straße für sich brauchen. Oft erlebt! Da kommen die bösen Autofahrer und hupen zum Schreck auf die Unart. Ich find, dass auch Radfahrer rücksichtsvoll sein sollten, zumal auf der Straße, wo sie doch bekanntermaßen den Kürzeren ziehen, sollte es mal eng werden. Und es wird sehr oft eng auf unseren Straßen. Vermeiden kann und will ich die Straßen nicht, hier in der Region gibt es kaum Radwege oder geschützte Spuren für Radler. Wo nun das Problem? Wenn ich auf "meiner" Linie bleibe, ist's zwar schnell abschüssig, dafür aber halte ich von mir aus mehr Abstand zum Autoverkehr. Es ist ja im Grunde eine leichte Übung, auf der Linie zu fahren. Ich beobachte oft Rennradfahrer, die auf Linie bleiben. Die wissen schon warum. Was ganz augenfällig ist, nämlich dass genau die aggressiven Typen nicht auf Linie sind, sondern turkeln und eiern, auf Kampf und Krampf gegen die Autofahrer sind und ihr Recht beanspruchen. Aber was ist schon Recht? Ich denke, dass der Typ Radfahrer, der eben keine Aggressivität in sich trägt und niemandem etwas Schlechtes will, auf Linie bleiben wird, weil dies einfach vernünftig ist. Vernunft ist angebracht und Rücksichtnahme, gerade auf der Straße. Weil ja auch diese schrägen Typen im Auto sitzen und denen will ich möglichst ausweichen. Es ist wie im normalen Leben, weil ich doch die Piste an sich nicht wirklich für normal halte..., die Vernunft meidet Aggressivität und solche Menschen. Die sollen unter sich bleiben! Neulich erst wieder wurden die Linien wird frisch gestrichen... 3. Juni 2015
 
Alle wollen leichter:
Elektrorad, 11fach, Zündkerzen und unwillige Muskulatur. Zugegeben, ein Elektrofahrrad mag nicht meine Sache sein, die ausufernde Werbekampagne hat mich freilich erreicht, aber nicht überzeugen können. Im Gegenteil: Wenn alle weniger Widerstände haben wollen, soll'n sie doch dafür auch zahlen! Mich macht eine andere Bewegung empfänglich: Die Singlespeeder. Dieser "Urantrieb" ohne Gangschaltung macht immer mehr Sinn, gerade für Vielfahrer, wie ich einer bin. Was aber ist der Sinn dieses vermeintlichen Rückschritts? Ganz einfach. Auf meinen Fahrten durch das sächsische Hügelland merke ich, dass ich die 27 Gänge meines Rads gar nicht benutze, geschweige schon daran denke, mit dem "Hamstergang" meinen Meinsberg (16%) hochzufahren. Wenn ich dies öfters mache, wird die Kette fällig, weil diese sich extrem "längt", sie dehnt sich. Dann beginnt sofort der Verschleiß der Kettenblätter und der Ritzel hinten. Schnell müssen diese dann ausgewechselt werden. Der Verschleiß ist das eine, der Wirkungsgrad etwas anderes auf lange Sicht. Wer oft schaltet, findet sich in einem bequemen Gang, zumal bergauf. Doch ist man langsamer und instabiler in der Fahrt. Mit einer einfachen Übersetzung (37-11) muss ich die vorhandene Muskulatur nutzen, was ich tue und sofort merke, wie lahm ich mit einer Schaltung geworden bin! Tatsache, es ist wie mit allen so genannten "Erleichterungen", sie machen schwach und schließlich unfähig. Meine Muskulatur befindet sich in einem ausgezeichneten Zustand. Durch längeres Fasten und bessere Ernährung fahre ich Strecken mehr als 100 Kilometer ohne irgendwelche Probleme. Selbst weit darüber hinaus, meist ohne etwas zu essen. Die direkte Übersetzung ist selbst im Hügelland und selbst in den Schweizer Alpen absolut machbar, wie der jüngste Vergleich zwischen einem Rennradfahrer und dem Fahrer eines ehrwürdigen Schweizer Armeerads zeigte: Ohne Gangschaltung lag die Nase vorn! Warum? Kann ja sein, dass Schweizer urtümlich sind und stramme Wadeln haben. Ich meine, dass ein immerwährender Trainingseffekt beim Fahren mit einem Gang erzielt wird. Geht gar nichts, kann man ja immer noch absteigen, was ja auch gut ist, gegen eine verhärtete Muskulatur. Wer gut drauf ist und auch sonst Gespür für das Gelände hat, wird sich auf einem Singlespeeder mehr als wohl fühlen und die Schaltung ablehnen. Also nicht nur urbane Trends, sondern Einfachheit, die dazu noch wenig kostet. Die riesigen Kräfte, die im Hamstergang auf die Kette wirken, sprechen für sich und gegen meine Brieftasche. Könnt ja mal nachrechnen, was ihr in den Jahren allein für Ketten und Ritzel gelegt habt...Aber das ist nicht die Sache, ich spreche von einer Einfachheit, wie sie jetzt grad in England und in vielen Metropolen dieser Welt neu gelebt wird. Warum also mehr? 3. Juni 2015
 
Ohne Strom
geht nichts. Fast nichts. Heutzutage mag man darauf angewiesen sein, für die flinken kleinen Elektronen einiges zu opfern, zuallererst unsägliche Plackereien. Früher musste man sich mühen, mit der Hand oder mit Füßen. Aber seit dem die Elektronen unsere Freunde geworden sind, findet sich hier und da selbst unter uns Radlern manch neues "Pedelec" oder "E-Bike", oder einfache E-Mofas. Bis zu 300.000 Stück sollen allein dieses Jahr in Deutschland über die Ladentheke gehen, glaubt man den Aussagen der Branche. Wahrscheinlich wird diese krasse Zahl gar nicht mal so abwegig sein, wir sprechen ja seit Monaten von der neuen Elektromobilität. Was deutsche Autohersteller nicht schaffen, nämlich einen eigenen Elektro-Kraftwagen auf die Räder zu stellen, tun deutsche Fahrradbauer schon sein Jahren: Pedelecs sind wirklich angesagte Geräte und vor allem Frauen finden sie schön! Mein erstes Pedelec sah ich in Leisnig, einer hübschen kleinen Stadt mitten in Sachsen. Meine Fahrerin überraschte mich vor den Toren eines Einkaufmarktes, wie sie ihre schweren Taschen auf`s E-Rad packte und mich dabei anstrahlte. Zu helfen wäre ihr nicht, dies machen die kleinen freundlichen Helferlein, die Elektronen. Da sie oberhalb wohnt, hochdroben in der Bergstadt, und der Markt unten auf der Muldenwiese steht, ist sie regelrecht gezwungen, "fremde Hilfe" in Anspruch zu nehmen. Und das geht gut. Sagt sie. Und ich glaub es ihr! Zumal sie vor Wochen noch mit dem Auto runterkam, um einkaufen zu können. Wir Edelmänner fragen ja nicht nach dem Alter einer Dame, ich schätze 70 plus. Toll. Manch männliches Gegenstück schleppt sich von Tür zu Tür, um dann doch keinen weiteren Meter zu Fuss zu gehen, erbärmlich! Mobilität sieht anders aus. Aber Demographen sind dann doch schlauer, wenn sie sagen, die Zukunft beginnt in der Vergangenheit. Weis Gott, was man alles falsch gemacht hat, um so vorwärts zu kommen. Unsere Pedelec-Dame schwingt sich aufs elektrische Rad, kurbelt bis zur Kurve, um dann die fast 100 Höhenmeter teils mit und ohne Elektromotor zu bewerkstelligen. Warum nicht? Wo ich zuweilen die Kraft des Herzens und der Muskeln nutzen kann, wird die kleine Unterstützung aus der Steckdose im fortgeschrittenem Alter wertvoll sein, ohne Frage. Und so ist mir das Lachen doch nicht aus Geringschätzigkeit gekommen, wie ich die ersten Pedelecs auf der Straße sah. Sie sind mir tausendmal lieber als die Stinker... 26. Mai 2015

Gefahr real?
Wenn von Wind die Rede ist, kommt die Gefahr meist von oben: So in Landschaften, wo Bäume Regie führen. Letzte Woche wüteten gleich zwei Frühjahrsstürme und ließen trockenes Astwerk und ältere Bäume auf den Jahnatalweg krachen. Bislang kamen keine Menschenseelen darunter zu Schaden, obwohl immer wieder auf die Windbruchgefahr hingewiesen wurde. Ich zuweilen war an den Tagen im Ketzerbachtal unterwegs, in der Lommatzscher Pflege, um dort mit einer neuen Mittelformat-Kamera Aufnahmen zu machen. Diese Bäume können nicht anders, als sich mit dem Winde zu biegen, um nicht zu brechen. Dabei war dieser Sturm vor Ostern wirklich heftig, elf Menschen mussten in Deutschland ihr Leben lassen. Die Gefahr ist wirklich eine reale, eine nicht zu unterschätzende Größe im Alltag unter Bäumen. Aber deswegen, wie jetzt erneut gefordert, auch den Bestand an Bäumen zwischen Jahnishausen und Riesa auszulichten, möge Erwägungssache bleiben. Betrachte ich mir die Sägeschnitte vom vergangenen Jahr, so ist es nur ein sehr kleiner Bestand von Pappeln, die eine reale Gefahr ausmachten. Die alten Weiden vor Riesa umzulegen, oder die Straßenpappeln in Jahnishausen, halte ich für groben Unfug! Soll ich denn die Dachziegel vorsorglich entfernen, sollte sich ein Sturm ankündigen??? Ostern 2015
Neuer Radweg zwischen Kaiserburg und Meinsberg
Augenwischen und Staunen angesagt: Zwischen den Streckenabschnitt Kaiserburg (Ziegra-Meinsberg-Waldheim) ist nun ein Radweg angelegt worden. Auf dem Abschnitt kann man vom Autoverkehr unbehelligt und sicher von Waldheim aus bis zur Kaiserburg fahren. Allerdings nur eben dieses Stück. Von da an kann man die Landwirtschaftsstraße Richtung Gebersbach (Freibad!) benutzen. Selbige wird kaum befahren und ist relativ sicher. Leider kommt man noch immer nicht sicher nach Ziegra, denn die Straße gleicht einem Höllenritt mit ungewissem Ausgang. Ich selber fahrer relativ viel auf dieser stark befahrenen Ortsverbindung und wurde schon mehrfach unsanft auf den Randstreifen befördert. Wilde Raserei, kein Sicherheitsabstand und Anmache erlebt der Radfahrer auf dieser Piste. Was bleibt? Wieder ein Fragment, was sich Radwegekonzept nennt und doch keines ist. Der Landkreis Mittelerde bleibt weiter eine Radwüste, leider! 21. Oktober 2014

Ostrau leistet sich neue Schilder am Radweg...
Vor Tagen war ich wieder auf der "Route" unterwegs, konnte dabei die neuen Schilder bestaunen, welche die Gemeinde Ostrau am Jahnatalradweg aufgestellt hat. Alle Achtung! Wird ja auch höchste Zeit, wo doch an vielen Stellen die Schilder ausbleichen und gänzlich verschwinden. Leider nur eben in Ostrau. Und die Schilder sind wirklich wichtig, um auch auf der Strecke zu bleiben, wie sich immer wieder zeigt. Ich fahre schon seit Jahren regelmäßig nur nicht eben oft hier, und oft mach ich einen falschen Bieger, komme von der Piste ab. Darf man ja... Aber für einen ordentlichen Radweg ( die Jahnatalradroute ist keiner...) sollten Wegeschilder vorhanden sein. 20. Oktober 2014

Draht-Esel und alte Hüte...
Neulich beklagte ich mich darüber, dass kaum noch Touristen hoch zu Drahtesel in die mittelsächsische Provinz finden. Finden die sich nicht hier her? Oder was ist da los? Also, ein paar Tage später hätte ich allen Grund gehabt, meine Aussagen zu revidieren, denn plötzlich traf ich, wenn auch vereinzelt, Radtouristen in Ostrau und auch in Döbeln. Ortschaften, die nicht nicht unbedingt Ziele für Reisende abgeben. Aber immerhin! Es waren Durchreisende, wie ich erfuhr, mit Gepäck und guter Laune und wie so oft braungebrannt. Also nicht im politischen Sinne, nein, von der Sonne und vom Dauer-Radfahren. Schick sei es hier, sprach einer von denen, gemütlich. Bloß keine Wirtshäuser, die gastlich wären. Die alte Leier! Wer unterwegs ist und sich nach vielen Strampelkilometern in eine Kneipe begeben will, wird diese nicht finden oder mindestens eine, die ihre Türen aller paar Tage öffnet, viele, die vernagelt sind und dem Abriss entgegen gehen. Alte Hüte, so könnte man meinen, vom Döner oder Imbiss um die Ecke lieber nicht gesprochen: Immer dasselbe! Und dann auch noch teuer. Aber das wesentliche gesprochene Wort aus dem Munde eines Radlers bezeugte das Dilemma der Region, nämlich die nicht vorhandenen Radwege, ein Radwegenetz mit allen Pipapo nicht, keine sinngemäße Beschilderung und wahnsinnige Autowüstlinge, die ohne Rücksicht Radfahrer in die Grube schicken. Siehe Grundstücksausfahrten auf "Radwegen", auf Umwegen. Die Moral der Geschicht? Drahtesel überleben so manch Tretreiter... 21. August 2014

So etwas liest sich beim "ADFC" Sachsen (Quelle)...

                        Bundesländerindex Mobilität: Sachsen ganz unten

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Veröffentlicht am Mittwoch, 23. Oktober 2013 12:17

Die Bundesrepublik wird ihr Verkehrssicherheitsziel verfehlen, wonach die Zahl der Verkehrstoten bis 2020 um 40 Prozent sinken soll, wenn die Bundesländer ihre Anstrengungen nicht erhöhen. Das geht aus dem zweiten Bundesländerindex Mobilität hervor, den die Allianz pro Schiene in Berlin vorgestellt hat.

Sachsen belegt den 14. Rang in der Gesamtwertung des Bundesländerindexes Mobilität. Damit hat sich der Freistaat im Vergleich zum Vorjahr (Rang 7) deutlich verschlechtert. Besonders im Bereich "nachhaltige Mobilität" erhielt der Freistaat schlechte Noten, auch strebt Sachsen kein konkretes Ziel zur Verbesserung der Luftqualität an. Ebenso fällt die Bewertung der Verkehrssicherheit im Freistaat kritisch aus: Die Zahl der Getöten steigt von 168 (2010) auf 194 (2011) und 211 (2012).

Immer, wenn es ums Geld geht, zeigt sich ob eine Regierung bereit ist, ihre Wahlversprechen in reale Politik umzusetzen. Das gilt auch für die sächsischen Verkehrspolitik: Lediglich 6,6 Prozent der Bundesmittel für Verkehr werden in den Umweltverbund, also Bahn, Bus, Fahrrad und Fußverkehr investiert. Das steht nicht nur im Gegensatz zum deutlich höheren Anteil dieser Verkehrsarten im Freistaat, sondern deutet auf eine klare, politisch motivierte Benachteiligung umweltschonender Verkehrsarten hin.
(21. August 2014)


Endlich Frühling!
Jetzt ist es soweit, der erste Tag, an dem beinahe 18 Grad gemessen werden können, die Mütze runter und die Handschuhe in den Rucksack packen. Von wegen: Gar so mild war der Winter denn auch wieder nicht, wir hatten Nachtfröste und dies über Wochen! Am Jahnatalradweg kann man schon lange Schneglöckchen und Märzenbecher sehen, letztere dieses Jahr seltener, Buschwindröschen und pralle Triebe. Das Grün  geht los und der Weg ist gut befahrbar! Dieses Jahr wieder der Eindruck, als ob ich hier einzige wäre, der die Jahnatalradroute mit dem Rad benutzt. Eigentlich schade. Dafür Läufer, Fußgänger. Wäre aber trotzdem schön, wenn sich mehr Menschen der schönen Strecke annehmen könnten, ob nun zu Fuß oder mit dem Rade... (Eintrag: 20. März 2014)

Unwegbarkeiten
Die Route im Winter...
Wer sich mit dem Rad von Döbeln nach Riesa auf besagtem Radweg (der ja keiner ist...) fahren möchte, muss sich auf einiges gefasst machen. Nicht nur im Winter ist die Strecke doch abenteuerlich, wenn nicht gerade eine Zumutung. Aber darin liegt der Reiz, über kurz oder lang muss man sich damit abfinden. Wer wie ich völlig ungefedert auf zwei Rädern unterwegs ist, wird jeden Wirbel tief im Innern spüren, wenn Huckel und Puckel, Knubben und Wuppen (also Wurzeln und unerkannte Steine, die halb überirdisch ihr wahres Wesen  nur dann verraten, wenn man heftig beim Überrollen durchgeschüttelt wird...) den Weg zur Hölle machen. Ganz zu schweigen über die Räumpflicht der Anlieger! Nein, im Winter und hohem Schnee kann man hier nicht fahren. Und trotzdem: Ich freu mich wieder auf das Frühjahr, wenn ich in Richtung Riesa mit dem Rad fahren kann, die Unwegbarkeiten... mal aussen vor gelassen. Wer hier lang fährt, wird immer wieder mal hier wandeln wollen, so wie ich - einer, der den Weg nie satt bekommt (Eintrag vom 4. Februar 2014)
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