Mulderadweg

 
Mit dem Rad an der Freiberger Mulde...
Zu Weihnachten vergangenen Jahres hatte ich Freund Henry aus Norwegen zu Gast. Er ist vor 20 Jahren nach Norwegen ausgewandert und ist immer über Weihnachten in Deutschland, um alte Freunde zu besuchen, unter anderen auch mich. Ich lud ihn zu einer kleinen Radparty zum Fest ein...
 
Uwe: War ja haarscharf, wärst fast nich weggekommen von Oslo?
 
Henry: Wirklich! Das war ein schlimmer Wintersturm zu Weihnachten, Schnee und Wind, viele Menschen hatten Weihnachten keinen Strom.
 
Uwe: Sei froh dass du hier bist, hier gibt´s Strom und hier pfeift´s nicht so. ( Wir fahren beide mit dem Rad in Richtung Grimma, um uns zu unterhalten, um frische Luft zu schnappen... )
 
Henry: Wir sind das gewohnt. In Norwegen gibt es öfters einfach so Stromausfälle obwohl kein Sturm ist. Mach ja außerdem meinen Strom selber...
 
Uwe: Du machst deinen Strom selber?
 
Henry: Ja klar! Haste mal was von einem Aggregat gehört?
 
Uwe: Ja ja, konnt´s mir schon denken. Ich mache meine Kerzen freiwillig an, auch mit Strom. Stammhirnpflege sag ich...
 
Henry: Du bist ein Spinner! Setz dich doch lieber ans Feuer! Was ist das hier für ein Feldweg? ( Wir fahren eben auf dem Radweg an den Klostergärten in Richtung Großbauchlitz...)
 
Uwe: Ist der offizielle Muldentalradweg. Gefällt dir wohl nicht?
 
Henry: Na ohne Schutzblech siehste aus wie ein Schwein. Warum ist das hier so aufgeweicht?
 
Uwe: Ständiger Regen, Mistwetter. Der Untergrund leitet das Wasser nicht ab und die Auflage ist nicht als solche geeignet. Der Schmodder klebt überall und macht großen Schaden an den Ritzeln.
 
Henry: Ihr habt gar keine richtigen Radwege hier?
 
Uwe: Doch doch, aber sie sind nicht wirklich normgerecht. Wird gleich besser...(wir sind an der Unterführung Grimmaische Straße und stoßen gleich auf normgerechte Radwege...)
 
Henry: Eh! Guck mal! Asphalt!
 
Uwe: Freu dich nicht zu früh!
 
Henry: Ist aber hübsch hier! Wird das genutzt?
 
Uwe: Ach schon. Viele fahren hier zur Schule, da vorn in Technitz ist eine. Dieses Jahr sah ich im Herbst reichlich Betrieb, viele Radtouris waren unterwegs. Aber an der Elbe ist natürlich viel mehr los...
 
Henry: Ach, was ist das denn (wir fahren am Friedhof Technitz entlang, der Weg ist schlimm...)?
 
Uwe: Feuchtgebiete...Willst doch nicht sagen, ihr hättet in Norwegen bessere Radwege?
 
Henry: Hast du ´ne Ahnung! Da hat man viel Geld in neue Radwege reingesteckt. Du kommst sogar mit dem Rad in den hohen Norden, in Permafrostgebiet. Da sind die Wege nicht so schlimm wie hier.
 
Uwe: Henry, es wird gleich wieder besser, bis Grimma wird es nicht so schlimm bleiben.
 
Henry: Na das will ich auch hoffen!
 
Uwe: Guck mal, (am Kanuheim Bischofswiese...) hier kannste rasten...
 
Henry: Haben die offen?
 
Uwe: Komm, wie schauen mal (tatsächlich hatte die Gaststätte nicht auf, ahnte aber nicht, dass Henry Hunger hatte)...
 
Henry: Mist, ist ja zu! Ist das immer so?
 
Uwe: Glaub nich, ich geh nich gern in Gaststätten.
 
Henry: Mir wummelt´s in der Wampe.
 
Uwe: Warum haste denn nichts gesagt? Hätt´mer was einpacken können.
 
Henry: Gibts hier keine offenen Kneipen an der Strecke?
 
Uwe: Doch! Wir sind gleich in Kloster Buch, da gibt es eine schöne Gaststätte... (Wir hatten Glück... im "Frohen Mönch" konnten wir einkehren und Henry musste keinen Kohldampf mehr schieben)
 
Henry: Ist das schön hier! Bin zum ersten Mal hier obwohl ich alter Dresdner bin.
 
Uwe: Da kannste mal sehen. Sächsische Provinz hat einiges zu bieten. Ah, schade, drüben ist zu. Henry! Wir können nicht ins Kloster!
Henry: Ist das sehenswert?
 
Uwe: Klar!
 
Henry: Das nächste Mal müssen wir da rein. (Mittlerweile versumpfen wir, Henry isst und wir beide trinken ordentlich Bier. Wir beschließen, nicht bis Grimma zu fahren...)
 
Uwe: Oh ja, gerne. Wann willst Du das nächste mal kommen?
 
Henry: Im Sommer. Ist versprochen. Da fahren wir zusammen bis nach Dessau. Uwe, machste mit?
Uwe: Klar! Aber dann dürfen wir nicht in den Mönch gehen...
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Manchmal plätschert sie friedlich dahin, kaum zu hören, manchmal macht sie Krach über Wehre, zwischen Felsbrocken. Ganz in der Nähe von Freiberg ist sie meist keine zwanzig Meter breit, die Mulde, die ihren Namen vom Bergstädtchen Freiberg anheim bekam. Dabei fließt sie nicht einmal durch die Stadt. Wenn ich mir diese blaugrünen Wasser ansehe, die die Freiberger Mulde gerade in kalten Jahreszeiten führt, scheint es mir gerade, als sei sie schon immer so rein, so klar gewesen. Aber das war nicht immer der Fall. Wie so oft, wenn Gier und Machtwillen ganze Landschaften umdrehen, verschandeln, stand es bis zur politischen Wende, der Teilvereinigung Deutschlands, nicht allzu gut mit der Mulde. Ihr Wasser war ganz und gar nicht ansehnlich, geschweige denn hätte man in ihr nie baden können. Kein Fisch, keine Wasserpflanze, wohl auch keine Einzeller überlebte die Wende. Oder doch? Nun, ich weiß es nicht genau, aber früher konnte ich keinen einzigen Fisch in der Mulde schwimmen sehen. Der Bergbau und die Papierindustrie, Landwirtschaft und Metallverarbeitung gaben dem Fluß den Rest. Ein stinkende Brühe, grauschwarz meist, mäanderte durch das damals noch in Bezirke gegliederte Sachsenland. Eine Kloake, kein Fluß. Gott sei Dank nahm alles einen anderen Verlauf, wer hätte schon wissen wollen, wohin uns die Reise im kommunistischen Teil Deutschlands noch hingebracht hätte. Der wirtschaftliche Zusammenbruch, die Abwicklung der allermeisten Betriebe entlang der Freiberger Mulde, brachten das Wunder zutage, was ich längst nicht mehr hätte glauben wollen. Im Ernst! Die Mulde ist eine wunderbare Schöpferkraft, denn nur sie brachte dieses wunderschöne Tal zum Staunen aller, vor allem der Gäste, zu Gesicht. Entlang der Mulde schlängelt sich der Muldental-Radwanderweg, eine geführte 115km lange Strecke, der die geneigte(n) RadfahrerIn und Wanderer durch eine beinahe zart geschwungene Urstromtal-Landschaft lenkt. Fast immer bleibt die Freiberger Mulde in Sicht- und Hörweite. Sie ist ständige Begleiterin und wie eine Art Sicherheit, sich nicht verfahren oder verlaufen zu haben. Allesamt schöne Orte durchquert die/der Reisende, ich nenne ohne Wertung Freiberg, Nossen, Döbeln, Leisnig, Podelwitz und schließlich die Mündung in die Zwickauer Mulde, man spricht auch von der “richtigen Mulde”, ganz in der Nähe von Podelwitz. Unser Muldental-Radwanderweg ist nämlich zweigeteilt und zu aller Anfang dieser Strecken Streitobjekt, welche denn der Strecken der richtige Muldental-Radwanderweg ist. Kurzerhand fügte man beide Wege zusammen und heute ist der MT RWW der längste Rad- und Wanderweg in Sachsen. Eigentlich logisch. Nun aber beschreibt die Freiberger Mulde einen gänzlich anderen Weg als ihre große Schwester im Westen Sachsens. Sie ist kleiner und schneller, wilder manchmal. Wenn sie ganz wild wird, nimmt sie alles mit, siehe 2002. Damals war sie nicht wieder zu erkennen und die Schäden an der Radwander-Infrastruktur waren enorm. Übrigens gibt es hierzu keine amtlichen Zahlen, wer sie hat, sollte sie melden. Zurück zur Beschaulichkeit unseres MT RWW... Wer die Strecke am Stück fährt, und dies tun viele, wird am Endpunkt, also hochdroben im Erzgebirge froh sein, sich aller Eindrücke lebhaft gewahr geworden zu sein. Die meisten der Radreisenden, und um die geht es hier, teilen sich die Strecke auf zwei Tage und kommen völlig entspannt am Endpunkt an. Dabei kennt der Weg viele End- und Zwischenpunkte. Wer sich gern verliert, findet sich in dichten Wäldern wieder, an lauschigen Seen und kleiner Dörfer, die durchaus gastlich sein können. Leider gibt es noch immer das Problem unsicherer, will sagen preiswerter Übernachtungen. In Hotels wird sich der sparsame Radler so schnell nicht finden, sei er noch auf anderen Strecken unterwegs und dies mit Sicherheit der Fall. Was größere Städte wie Freiberg oder Döbeln angeht, so dürfte dort zwar Hotel und Wirtshaus zu finden sein, doch aber keine günstige Übernachtungsmöglichkeit. Freilich lädt das Muldental zum sommerlichen Zelten ein, im Herbst und Frühjahr ist’s dann doch nicht so gemütlich. Gerade für diese Zeit sollten sich Anrainer stark machen, um Radwanderer günstig oder kostenlos nächtigen zu lassen, wie ich dies in anderen Gegenden Deutschlands kenne. Wer all die schönen Flecken an der Freiberger Mulde sehen möchte, wird Tage brauchen, und Übernachtungsmöglichkeiten. Kurz einiges über die Qualität der Wege. Gut ausgeschildert dürften sich Reisende so schnell nicht verfehlen, an Abzweigungen und Abwegen findet man eindeutige Schilder und Hinweistafeln, die Sehenswürdigkeiten und Restaurants beschreiben und ankündigen. Darüber hinaus wird stehts der Blick zu heben sein, ist man erst mal auf der Piste, weiß man, wo die Schilder “hängen”. Der Weg selbst ist unterschiedlicher Qualität. Oft befestigt und auch asphaltiert, sind Teilstrecken in der Art eines Wanderweges, der nicht unbedingt die EU-Normbreite hat. Und auch das Geläuf ist nicht immer sicher. Bei Regen sind Teilstücke des MT RWW sehr aufgeweicht und es braucht Schutzbleche, um selber nicht angeschmutzt zu werden. Überhaupt kann ich sagen, daß Trekkingbikes beinahe Pflicht sind, obwohl ich nun doch lieber mit dem Renner fahre. Der letzte Sommer (2010) mit seinen zahlreichen Unwägbarkeiten, besser gesagt “Wässrigkeiten”, sollte eine Lehre sein, doch das Trekkingbike mit Schutzblechen zu nehmen. Ich kann dies allen zukünftigen Reisenden auf dieser Piste sehr anempfehlen. Noch ein Wort zur Verpflegung. Praktisch aller 10 Kilometer findet sich ein Supermarkt ganz in Nähe des Weges, meist in den Städten. Wer von Grimma kommt, wird sein Mittagsmal in Leisnig finden, bei Netto in Nähe des Bahnhofes. Und dann muß man einfach den Berg rauf, um sich das schöne Bergstädtchen Leisnig anzusehen. In Nossen ist es ähnlich, auch hier kann man schnell mal was einkaufen gehen, um sich anschließend die Stadt mit ihrem Schloss anzusehen. Wer ins Erzgebirge will, findet in Siebenlehn und Freiberg Einkaufsmärkte direkt an der Strecke. Aber wer hoch zu Eisen oder Aluross unterwegs ist, wird sich weniger auf’s Essen konzentrieren wollen, doch irgendwann ist’s soweit. Na dann... Uwe Reinwardt (2011)

Einige Infos zum Mulderadweg (Ost und West)

Der östliche Muldental Radwanderweg beginnt im kleinen obererzgebirgischen Holzau in der Nähe des Quellgebietes der Freiberger Mulde direkt an der tschechischen Grenze, quert die Deutsche Alleenstraße (B171), um sich gemeinsam mit der Freiberger Mulde mäandernd in Richtung Freiberg zu bewegen. Den Fluß ständig im Blick kommt man über Ortsverbindungsstraßen und gut ausgebauten Wegstrecken schnell in die Bergstadt. Der Fluß bleibt östlich von Freiberg und nun besteht die Chance, sich der Sehenswürdigkeiten, die sehr zahlreich sind, anzunehmen. Meiner Meinung nach kommt jetzt die landschaftlich schönste Wegstrecke des gesamten Radwanderweges, direkt im engen Muldental nach Nossen. In Nossen kann man das Schloss und die Klosteranlage Zella bewundern oder einen Abstecher in den Zellwald unternehmen. Vorbildlich ist übrigens die Beschilderung. Allerdings ist Vorsicht geboten, da Nossen ein Verkehrsknoten darstellt und dreimal Bundesstraßen gequert werden müssen. Über Ortsverbindungen und einem direkt ausgewiesenen Radweg kommt man schnell nach Roßwein und Döbeln. Beide Städte sind sicher sehenswert, können sich aber mit Freiberg, Grimma und Dessau nicht messen. Wahrscheinlich wollen sie auch gar nicht bemessen werden... Auffällig nun das sich immer weiter öffnende Muldental. Die malerisch gelegenen Orte Klosterbuch und Leisnig laden immer zu einem Besuch, alte Kulturdenkmäler wie das Kloster Buch oder die Burg Mildenstein sind auf alle Fälle sehenswert. Weiter geht's entlang der Freiberger Mulde in Richtung Grimma. Wir steuern durch das Künstlerdorf Erlln direkt auf Sermuth zu um das Wasserschloß zu besuchen. Oder auch nicht... Hier ganz in der Nähe laufen Freiberger und Zwickauer Mulde zusammen und ergeben die vereinte Mulde, die deutlich breiter wird als die relativ schmale Freiberger Mulde. Im Handumdrehen sind wir in Grimma und hier am Flecken lohnt sich der Rundgang durch die Stadt und der angrenzenden Künstlermühlen Höfgen und Kaditzsch. Überhaupt hat sich Grimma immer mehr zu einem Ort der Künste entwickelt, was an sich sehr beachtenswert ist und die Verweildauer in der Stadt verlängern dürfte. An sich endet an dieser Stelle der östliche Muldentalradweg. Aber wer Lust hat wird sich innerhalb eines Tages bis nach Dessau vorkämpfen können. Die Strecken sind angenehm flach und das Muldental ufert aus, bis hin zur Mündung in die Elbe, gelegen in Nähe Dessau-Rosslau. 

Quer durch Sachsen: Die meisten Radtouristen nutzen Landstraßen
Wer als Tourist mit dem Rad auf dem östlichen Teil des Muldentalradweges unterwegs ist, hat wohl meist nur ein Ziel: Freiberg. Die sächsische Bergstadt lockt jährlich tausende Radtouristen alljährlich über die Radpisten entlang der Freiberger Mulde, um das einstige mittelsächsische Bergbauzentrum zu besuchen. Absoluter Anziehungspunkt aber ist und bleibt die "Terra Mineralia", jene spektakuläre Ausstellung wunderbarer Steine und Erze im Schloss Freudenstein. Kaum ein Gast der Stadt, der dieses Highlight nicht gesehen hat. Tatsächlich nehmen sich viele Radtouristen die "Terra Mineralia" als einziges Ziel in Freiberg vor, um sich im Freiberger Umland über Nacht einzuquartieren und am nächsten Morgen wieder zurück zu fahren. Auf dem Rückweg werden meist noch Leisnig und Grimma als kurze Aufenthalte angegeben, wie meist auch dann die Regionalbahn genutzt wird, um in die Heimat zu gelangen. Meine Beobachtungen auf dem Muldentalradweg (Ost) ergaben, dass gerade im Hochsommer relative Flaute auf der Piste herrscht, in den Monaten September/ Oktober aber die meisten Radler auf dem Muldentalradweg unterwegs sind. Übrigens Döbeln lassen die meisten Radtouristen links liegen, wer nach Freiberg will, hat einfach keine Zeit für die kleine Stadt an der Mulde. Auch konnte ich beobachten, dass sich viele Radler hier in Döbeln dann doch für die Querung der Lommatzscher Pflege in Richtung Meißen entscheiden, um später in die sächsische Metropole Dresden zu gelangen. Für Übernachtungen wird die Region um Döbeln eher selten genutzt, dafür nutzen ausgehungerte Radfahrer die Möglichkeit einer Stärkung in der Stadt. Genaue Zahlen, wieviele Radler hierher in die Region kommen, können nicht genannt werden, es gibt ganz einfach keine Erhebungen dazu. Im Sommer allerdings konnte ich Schüler mit Bleistift und Block beim Zählen von Radlern beobachten, ein Zeichen also, dass man doch ein Auge auf dem sanften Tourismus hat...Uwe Reinwardt

 

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