Burg Gana

Tausend Jahre Geschichte Jahnas und seiner Umgebung


 

Von Johannes Leipoldt, Dresden


Die Eroberung des Daleminzierlandes (929)

Das Jahr 1929 brachte unserem Sachsenlande eine seltene Jubelfeier. Vor einem Jahrtausend ließen Tatkraft und Zielbewußtsein, gepaart mit frischem Mut, König Heinrich I. wichtigste Burgengründung - mitten im feindlichen Slavenland - entstehen, die Burh Meißen, die als Vorort der späteren Mark Meißen ja die Keimzelle des sächsischen geworden ist. IN der freudig ernsten Rückschau auf jene denkwürdige Tat hat man mit großer Berechtigung auch des Ereignisses gedacht, das eigentlich erst die Gründung der Burg Meißen möglich machte, nämlich der ihr unmittelbar vorhergehenden Nierderringung der Wehrkraft der eingesessenen slavischen Daleminzier, der Belagerung und endlichen Eroberung ihrer Hauptfeste "Gana".

So hat denn auch die kleine Gemeinde Jahna (bei Ostrau), die den Namen des Schlachtortes noch bewahrt hat und in der eine seit Jahrzehnten bewußt geförderte Tradition das Andenken an jene Schlacht pflegt, ganz folgerichtig vor der Meißner Festwoche in einer schlichten Jahrtausendfeier jener folgenschweren Spätwintertage des Jahres 929 gedacht. Auch in der zahlreichen, aus Anlaß der Meißner Gedenktage entstandenen geschichtlichen Literatur hat man sich hier und da mit dem Kampf um "Gana" beschäftigt und beschäftigen müssen.



Burgberg Zschaitz: Hier wurde Gana vermutet, jedoch nie etwas gefunden...



Aber schon lange Zeit und oft vorher haben Gelehrte von verschiedenen Seiten ihre Anschauungen darüber mit mehr oder minder großer Sachkenntnis und Einsicht geäußert. Es liegt leider hier - wie so oft in der Geschichtsschreibung - der Fall vor, daß uns die geschichtlichen Quellen über ein Ereignis nicht so weit Auskunft geben, daß es uns auch auch nur einigermaßen klar erkenntbar ist. So erklärt es sich, daß man sich immer wieder mit der Lösung der Rätsel versucht hat, die uns bisher die erste geschichtlich bezeugte Schlacht auf obersächsischem Boden, den Kampf um Gana, einer sicheren Erkenntnis entzogen haben.

Vor allem war es die Frage des Kampfortes, die zu lösen man heiß bemüht war. Nicht die Hoffnung, daß dies uns heute zu völliger Zufriedenheit gelingen könnte, sondern die Absicht, durch eine zusammenfassende kritische Würdigung aller der vorgetragenen Meinungen und Gedanken über das Gana-Problem doch wenigstens eine gewisse Klärung und Läuterung unseres heutigen Standpunktes zu diesem bringen, hat mich bei den vorliegenden Ausführungen geleitet.

Die Eroberung des Daleminzierlandes gehört in eine Reihe - fast möchte man sagen planmäßiger - Unternehmungen König Heinrich I. hinein, die im Zusammenhang mit seinen Bemühungen um die Stärung der deutschen Abwehrkraft gegen die noch drohende Ungarngefahr eine endgültige Unterwerfung der westlichen Slavenstämme, die Schaffung einer breiten östlichen Grenzmark beabsichtigten.

Im harten Winter 928 auf 929 wurden nach langen Kämpfen mit der Einnahme ihrer Festung Brennaburg (heute Brandenburg) die Heveller (etwa im Kerngebiet der Provinz Brandenburg) zur völligen Unterwerfung gezwungen. Danach zog Heinrich - wahrscheinlich noch im Winter - südwärts. Nördlich des Erzgebirges und westlich der Elbe war offenbar die einzige sorbische Stammesgruppe, die dem deutschen Heere die Stirn bieten konnte, die der Daleminzier, deren Siedlungsgebiet - eine einheitliche große und fruchtbare Gaulandschaft mit natürlichen Waldgrenzen - sich nach allen Seiten an die Lommatzscher Pflege anschloß und sich von der Freiberger Mulde bis an die Röder, von den Wäldern der Wermsdorf-Hubertusburger Forstbezirke und er Dahlener Heide bis zum Friedewald im Osten erstreckte.

Das Kriegsaufgebot des zur Verteidigung entschlossenen kleinen Stammes fühlte sich dem deutschen Heere gegenüber zu schwach und zog sich - wie es auch die Heveller getan hatten - in eine ihrer größten Fliehburgen zurück, in die "urbs" (Burg, Befestigung) Gana, um hier dem eingebrochenen Feinde zu wehren. Es zeugt von der Brauchbarkeit der Befestigungsanlage und von dem ernsten Kampfwillen ihrer Verdeitiger, wenn es ihnen gelang, sich fast drei Wochen gegen König Heinrichs Heer zu halten.

Nach der Einnahme der Burg und nach der ersten Befriedung des Landes muß Heinreich an die Elbe weitergezogen sein, wo er dann - wie hinreichend bekannt - im Frühjahr zur Sicherung des eroberten Landes die Burg Meißen gründete. Dem Daleminzierkrieg schloß er unmittelbar einen Kriegszug durch die Erzgebirgswälder des "Miriquidi" nach Böhmen und Prag an und zwang Land und Herzog unter seine Botmäßigkeit.

Wo lag Gana?

Während zur Kenntnis der meisten dieser Ereignisse neben det Hauptquelle der "Sachsengeschichte" Widukinds, uns such noch andere frühmittelalterliche Geschichtsschreiber und Chroniken verhelgen, kenn wir den Kampf um Gana lediglich aus einer einzigen, eben Widukinds III. Buch.

Da wir deshalb auf dessen Worte großes Gewicht legen müssen, soll hier die betreffende Stelle im Wortlaut folgen. Widukind - Mönch im nierdersächsischen Kloster Corvey - schreibt in seinem 967 abgeschlossenen Werke in deutscher Übersetzung: "Als er (König Heinrich I.) mit dieser Stadt (Brennaburg) sich auch des ganzen Gebietes (der Heveller) bemächtigt hatte, wandte er sich gegen Daleminzien, das zu bekriegen ihm schon sein Vater übriggelassen hatte. Er belagerte eine Burg namens Gana und nahm sie am 20. Tage ein. Die in der Burg gemachte Beute wurde den Kriegern überlassen; die Erwachsenen wurden alle getötet, Knaben und Mädchen in die Gefangenschaft hinweggeführt". Mehr erfahren wir von diesem so wichtigen Ereignis nicht!



Kirche Hohenwussen: Auch hier Grabungen und keine Befunde. Wo sind die Gebeine der Daleminzer? Fotos: Dresdner Heimatschutz 1930



Unsere Aufgabe ist es, diese so dürftige Angabe des Geschichtsschreibers mit Hilfe von anderen Hilfsmitteln zu ergänzen. Vor allem soll hier die Frage nach dem Ort des Kampfes, nach der alten Burg Gana in den Vordergrund treten. Was sagt uns zu dieser Frage zunächst Widukinds Bericht selbst? Heinrich zog vom Lande der Heveller, also von Norden her kommend, nach Böhmen und zwar nach Prag und berührte dabei die Gaulandschaft Daleminzien, deren Lage ich schon annäherungsweise umriß. Daß Widukind den Weg im einzelnen und viele Ereignisse von minderer Bedeutung entweder gar nicht kannte oder der Erwähnung nicht für wert hielt, kann die Tatsache beleuchten, daß er nicht einmal die Gründung Meißens gedachte, die doch fast mit Sicherheit nach der Chronik des Merseburger Bischofs Thietmar in die Zeit kurz nach dem Falle Ganas gesetzt werden muß.

Aus Widukinds Worten ergibt sich vor allem der eine Anhaltspunkt für die Ortsbestimmung, daß nämlich Gana innerhalb des Gaues Daleminze gelegen haben muß. Einen weiteren Anhalt, der bisher von den meisten Gana-Suchern zu stark betont worden ist, möchte ich nur eine geringe Bedeutung beimessen: der Vermutung, daß Gana an einer alten Straße gelegen haben müsse. Man sollte jedenfalls den fortifikatorischen Charakter der slavischen Wallanlagen nicht zu hoch einschätzen, wenn er auch nicht ganz geleugnet werden kann.

Große Befestigungen, wie Gana eine gewesen sein muß, hatten vor allem den Zweck und die Bedeutung von Fluchtburgen, die den Umwohnern mitsamt ihrer Familien und mit ihrer fahrenden Habe Schutz und gute Verdeitigungsmöglichkeiten gegen einbrechende Feinde bieten sollten. Darum ist die Feststellung, daß in unserem Gebiete vermutlich die Verbindungen Meißen-Lommatzsch-Pulsitz (wahrscheinlicher als Jahna) - Hohenwussen-Mügeln, Lommatzsch-Stauchitz-Oschatz und etwa Meißen-Leuben-Zschaitz-Grimma wahrscheinlich die ältesten Straßentrakte gewesen sind, für unsere Gana-Frage von untergeordneter Bedeutung, zumal die historische Straßenforschung durchaus noch auf einem Stande verharrt, der eine auch nur einigermaßen sichere Festlegung der Straßenzüge für das Mittelalter nicht zuläßt.

Wir werden uns also nach noch heute bekannten und lebendigen Ortsnahmen umsehen müssen, die sich mit der Form Gana in Verbindung bringen lassen. Und da findet sich bekanntlich innerhalb der Gaugrenzen von Daleminze dieser Ortsname sogar zweimal vor und zwar beide Male mit dem durchaus sprachgesetzlichen Wandel des g in j: Jahna bei Ostrau (nordwestlich von Lommatzsch) und Ober- und Nierderjahna (dicht nordwestlich von Meißen).

Beide Orte liegen an Bächen gleichen Namens. Das Gana Widukinds sprachlich auf einen dieser Orte (oder Bäche) zu beziehen, erscheint nach Lage der Dinge am Natürlichsten. Seit Ed. Otto Schulze (Kolonisierung und Germanisierung der Gebiet zwischen Saale und Elbe, 1896, S. 55) sucht man die Sorbenfeste im Talgebiet der großen Jahna, bzw. in der Flur des Ortes Jahna (bei Ostrau) selbst. Bönhoff ( in den Mitteilungen des Vereins für die Geschichte der Stadt Meißen, Bd. VIII, 1919, S. 217), Lippert (in den "Meißnisch-Sächsischen Forschungen", 1929, S. 17, Anm. 14), Kötzschke (ebenda, S 32, Anm. 6) - um nur einige Forscher zu nennen - sprechen sich dafür aus. Wäre nun in der nächsten Umgebung unseres Jahna tatsächlich eine frühgeschichtliche Befestigung - womöglich auch durch Funde belegt - nachweisbar, so könnten wir allerdings jubeln und meinen, Gana endlich gefunden zu haben.

Leider aber liegen die Dinge nicht so einfach. Obwohl im Orte Jahna selbst das Bewußtsein, im Bereich der alten Sorbenfeste zu wohnen, seit der Entstehung der "historischen Beschreibung der Parochie Jahna" des ehemaligen Jahnaer Pfarrers Franz Fürchtegott Wange lebt und von Pfarrer und Kantor stets wach gehalten worden ist, so zeigt doch gerade die Tatsache, daß um die Wende zum 20. Jahrhundert die Ortsangesessenen keine bestimmte Stelle der Flur als Slavenburg angeben konnten, sondern auf zwei Stellen vermutungsweise hindeuteten, daß dieses Bewußtsein nicht auf einer uralten lückenlosen Tradition beruhen durfte.

Mann nannte damals ("Fragebogen zur Ermittlung der älteren Flurverhältnisse" in der Flurnamenmappe Jahna) 1. die Wiesen unmittelbar westlich vom Orte, 2. die Gegend des Kellerberges, vor allem die Stelle des Friedhofes als den vermutlichen Platz der "alten Feste Gana".

An der unter 1 genannten Stelle kennen weder Prähistoriker noch anscheinend die Ortseinwohner irgendwelche Reste von Wallanlagen. Ernstlich kommt lediglich die Stelle des Friedhofes in Frage.
Dieser zeigt heute nur noch nach Norden einen wehrhaften Charakter, und hier wird dieser Eindruck anscheinend nur duch einen dort vorübergehenden eingetieften Hohlweg hervorgerufen. Pfarrer Wange sagt in seiner Chronik( s. oben! - danach Hingst, Die Beziehungen der oberen Jahnatallandschaft zum Bistum Meißen, in "Saxonia", Zeitschrift von A. Moschkau herausgegeben, Jahrgang I (1876), S. 4), daß auch im Westen und Süden tiefe Hohlwege dich am Friedhof vorbei führen, die damals bei dessen Vergrößerung zugeschüttet worden seien.

Doch ist nur ein solcher an der westlichen Kirchhofsmauer nachweisbar. Eine Ortsbesichtigung heutigentags macht die Annahme eines größeren Walles im Osten des Friedhofes nicht sehr wahrscheinlich. Recht gewichtig ist auch die seltsame Tatsache, daß man an jener Stelle keine slavischen wie überhaupt vorgeschichtlichen Funde gemacht hat.

Man sollte doch meinen, daß die Benutzung des Walles in slavischer Zeit und der Kampf um seinen Besitz irgendwelche Zeugnisse, Spuren des materiellen Kulturgutes der Menschen jener Tage im Boden hinterlassen habe, die uns als archäologischer Beweis dienen könnten. Auch kein alter Flurname deutet hier - wie in manchen anderen ähnlichen Fällen - auf eine frühgeschichtliche Wallanlage hin.

Um einen Ausweg zu finden, muß hier noch einmal die Frage vorgelegt werden, ob die Gleichsetzung des "Gana" Widukinds mit dem Ort Jahna unbedingt notwendig ist. Das scheint man zunächst bejahen zu müssen; denn Widukind sagt deutlich: "die Burg, die Gana heißt". Man muß sich hier einmal die ältesten Formen des Ortsnahmens Jahna vergegenwärtigen: "Gan" (1203 und 1350), "Gane" (1206 und 1255), "Gana" (1290, 1329), "apud sanctum Gothardum" (zu ergänzen ist Gana - 1313, 1322 und 1338), "Parochia sancti Gothardi prope Gana" (1379), " villa,quae apud sanctum Gothardum vulgariter dicitur" (1368 und 1389), später häufig "zur Gane" (historisches Ortsverzeichnis): Es scheint fast - doch kann das selbstverständlich nur eine Vermutung sein -, daß man bei diesen Benennungen oft mehr an den "Ort am Jahnabach" gedacht hat und anderseits an das "Dorf bei der Gothards-Kirche", daß also der Name als Siedlungsname nicht sehr alt ist.


Merkwürdigerweise mutet - wie unten näher ausgeführt werden soll - auch die Siedlungsform nicht altertümlich, slavisch an. Es liegt daher meines Erachtens keine unbedingte Notwendigkeit vor, die "urbs Gana" von 929 im Namen des heutigen, erst 1203 urkundlich zum ersten Male erscheinenden Jahna zu erblicken und damit in der Flur dieses Dorfes zu suchen. Es besteht durchaus die Möglichkeit, daß der Jahnabach auch für andere Örtlichkeiten an seinem Laufe namengebend gewesen ist, daß also das Gana Widukinds sich auf einen Ort bezog, den wir heute nicht mehr unter diesen Namen kennen.

Bei dieser Vorausetzung könnte man auch an einen der anderen Burgwälle des Jahnatales denken. Sehen wir uns unter den heute bekannten Wallanlagen des Jahnatales um, so könnten, ganz abgesehen von den kleineren Wällen Pausitz und Prausitz und den offenbar frühdeutschen Anlagen Hof un Hohenwussen, der runde Sumpfwall im Rittergutspark Stauchitz und der doppelte Abschnittswall des Burgberges Zschaitz in Frage kommen.

Der Ringwall Stauchitz - heute nur noch schlecht und undeutlich erhalten - hat slavische und frühdeutsche Scherbenfunde ergeben. Auf ihn würde der bekannte Bericht des arabischen Juden Jbrahim ibn Jacub über die Anlage einer slavischen Besfestigung (973) recht gut zutreffen. Werner Radik setzt sich jedoch stärker für den Burgberg Zschaitz als das alte Gana ein. In der Tat möchte man dieser eindrucksvollen, nach drei Seiten durch steile Hänge und die ehemals versumpften Talauen der Jahna, auf der vierten durch zwei starke Wälle geschützten Anlage eine übergroße Bedeutung beimessen.

Schon in der frühen Eisenzeit begründet, muß er in slavischer Zeit nach Ausweis der Funde tatsächlich stark benützt und besetzt worden sein. Neben den Funden und der natürlichen Gunst der ganzen Anlage spricht vor allem das Vorhandensein eines großen, etwa 7 ha fallenden Innenraumes, der viel eher in der Lage war, den Kriegern und Flüchtlingen des gesammten Stammes der Daleminzier mit ihrer Habe Unterkunft zu bieten als ein etwaiger Wall an der Stelle des Jahnaer Friedhofes oder auch der Ringwall in Stauchitz, für diese Anschauung.

Von Seiten des Historikers ist gegen diese Lösung des Jahnaproblems kein anderer Einwand zu erheben als höchstens der, warum Widukind dann diesen Wall nicht schon Zschaitz genannt hat und warum der hypothetische Name Gana nicht auch für den Zschaitzer Wall erhalten geblieben ist. Doch möchte ich dieses Bedenken keineswegs als ausschlaggebend hingestellt wissen.

Es wird manchen Leser, der mir bis hierher durch das Für und Wider der einzelnen Meinungen gefolgt ist, enttäuschen, daß auch hier eine klare Antwort auf die Frage, wo Gana gelegen habe, nicht gegeben wird. Und doch ist gerade ein sorgfältiges Abwägen aller Beweismittel, die die verschiedenen Ansichten und Theorien begründen sollen, alles, was hier überhaupt gegeben werden kann.

Eine vorurteilsfreie Untersuchung des Rätsels von Gana wird stets zur der Anschauung kommen, daß - wenn nicht einmal überraschende vorgeschichtliche Funde zu Tage treten - es eine eindeutige sichere Lösung nicht gibt.Und doch bleibt die Tatsache erfreulich, daß in einer kleinen Gemeinde, in deren Namen eine Erinnerung an jenes bedeutsame Ereignis gleichkam noch lebendig ist, das Gedächtnis daran wach erhalten wird - gleichviel ob die Wissenschaft in ganz anders gerichteten Erkenntnisdrang die Örtlichkeit noch nicht auf Kilometer oder gar auf Meter genau feststellen konnte -, erfreulich, daß ein unserer Zeit bitter notwendiger geschichtlicher Sinn hier in schlichter Feier einer 1000 Jahre zurückliegenden Vergangenheit gedacht hat, eines Ereignisses, der des ganzen Landes Schicksal in sich barg!

 

 

 
Quelle: Landesverein Sächsischer Heimatschutz Dresden, Mitteilungen Heft 1-3, Dresden 1932

Schlußbemerkung aus "privater" Sicht...


Gana konnte nie als Fluchtburg und Wehranlage verortet werden. Selbst mit moderner Gerätschaft, Luftbildanalyse und Bodenuntersuchungen wurden keine Anhaltspunkte auf Gana festgemacht. Wie auch immer, ob es je einen Kampf gegen die Daleminzier gegeben hat und in der Folge eine Neugründung der Burg Meißen - es ist sehr zweifelhaft. Fest steht mit Sicherheit, daß z.B. Meißen keine "germanische" Neugründung ist, wie auch Riesa mit Sicherheit eine slavische Gründung ist. Damals, laut historischer Aussage, müßten Daleminzer zahlreich als Opfer in den Grund des Jahnatales gekommen sein. Leider gibt es keinerlei Hinweise auf Massengräber in der Region, geschweige denn Siedlungshinweise.

Widukinds Verlautbarungen dürften allenfalls Mutmaßungen gewesen sein, wie auch die so "sorgfältige" Geschichtsschreibung letztlich nur "Sagenhaftes" aufschreiben konnte. Was mich verblüfft, wie heutige wissenschaftliche Beiräte die alten Texte kritiklos übernehmen konnten, ohne daß die Öffentlichkeit auch nur einen Hauch davon mitbekommen konnte. Auch andere Heimatforscher übernahmen die Informationen kritiklos. Wer aber ein kleines Bißchen Kritik und gesunden Menschenverstand aufblitzen läßt, sollte sich doch fragen, wie es ohne Befunde zu einer derartigen Geschichtsschreibung hat kommen können...

Uwe Reinwardt
 
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